Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 93)
- Language
- German
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nachdem er einem Verwandten ein Jahr die Bücher eines neu errichteten Geschäfts geführt und dadurch einige hundert Thaler verdient hatte, zu den Studien zurückzukehren — er wollte ein Gelehrter werden. II. Mit dem Eifer eines Dilettanten stürzte sich nun Bendavid, der sich in so jungen Jahren schon ein so ausgebreitetes Wissen erworben hatte, auf die Wissenschaft, zu welcher ihn die überwiegendste seiner geistigen Anlagen, der Scharfsinn, besonders hinzog, auf die Mathematik. Gerade von Geografie und Mathematik hatte er bis jetzt noch nicht die mindeste Kenntniß; es waren ihm noch keine Bücher dieser Art zu Gesichte gekommen. Er verschaffte sich einen deutschen Euklid studirte ihn ohne Lehrer und fremde Hilfe von Anfang bis zu Ende und brachte es in kurzer Zeit so weit, daß er nicht nur die Sätze demonstriren und die Aufgaben konstruiren konnte, sondern auch die Nummern eines jeden Satzes genau anzugeben wußte. Sein später in Lübeck nächtlicher Weise ermordeter Freund Marcus aus Hamburg, der damals in Berlin Mathematik studirte, nahm ihn eines Tages zu seinem Professor mit, und als dieser nach einer mit ihm vorgenommenen Prüfung zu seinem Erstaunen hörte, daß er alles ohne Lehrer gelernt hätte, führte er ihn bei dem berühmten Mathematiker Lambert ein. Bon diesem liebenswürdigen Manne erhielt er nun Bücher zur Fortsetzung seiner mathematischen Studien und die Erlaubniß, sich in schwierigen Fällen an ihn zu wenden; auch Moses Mendelssohn, der die seltensten mathematischen Werke in seiner Bibliothek besaß und andere halfen ihm mit Büchern und Instrumenten aus.