Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 90)
- Language
- German
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20 ohne Abscheu an diesen Unmenschen denken," gesteht Bendavid noch im reiferen Alter, „der mit einer Wonne der Hölle die vier oder fünf unschuldigen Wesen, die bei ihm in die Schule gingen, zerfleischte: seine meistens ganz unverdienten Züchtigungen waren künstlich ersonnene Marter, die wir erleiden und unter Androhung härterer Strafe unseren Eltern verschweigen mußten. Das geschah denn auch wirklich, so lange es ging; aber als ich einst so zerprügelt nach Hause kam, daß ich durchaus nicht sitzen konnte, stellte meine gute Mutter eine Ocular-Jnspektion an, die ihr eine Ohnmacht vor Schreck zuzog und mir die Befreiung von diesem Wütherich verschaffte." Bis zu seinem achten Jahre blieb Lazarus nun, weil die Eltern sich mit der Wahl eines neuen Lehrers nicht überstürzen wollten, in dem Hause seines Großvaters, der, selbst ein unterrichteter Mann, ihn in der Bibel unterwies und ihn zu gymnastischen Uebungen anhielt. Das war eine Freude für den lebhaften Knaben, sich hier im Vollgenuß der jugendlichen Freiheit zu wissen! Er lieferte mit seinen Spielkameraden, die sich in des Großvaters Gärtchen täglich versammelten, Schlachten, war ihr Anführer, schnitzte aus Besenstielen Degen und Gewehre, baute Schlitten, verfertigte papierene Patrontaschen, Grenadiermützen und Schilde, lies mit seinen Gespielen bei den von seinen Verwandten beschäftigten Meistern und Stuhlarbeitern herum und eignete sich spielend einige Fertigkeiten in mechanischen Arbeiten und auch, wie er sich ausdrückt, technologische Kenntnisse an. Dieses Leben ohne regelmäßigen Unterricht gefiel dem Vater nicht lange und der zehnjährige Lazarus wurde wieder zu einem Polen in eine Talmudschule gethan. So sehr der erste Lehrer gehaßt, so wurde dieser geliebt und verehrt. Er liebte auch wirklich seine Zöglinge wie seine eigenen Kin-