Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 91)
- Language
- German
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der, hatte schon mehr pädagogischen Takt und beschränkte seinen Unterricht nicht bloß auf den Talmud, sondern dehnte ihn auch, was in den jüdischen Schulen jener Zeit etwas Ungewöhnliches war, auf die hebräische Grammatik und die aristotelische Logik des Maimuni, die wenige Jahre vorher von Moses Mendelssohn neu commentirt worden, zur Freude seines Schülers aus. Beim Austritte aus der Schule dieses „ehrlichen Jakob" galt Bendavid für einen ziemlich guten Talmudisten, der ganze Abhandlungen des Talmuds auswendig wußte; er hatte außerdem einen ansehnlichen Th eil der Bibel im Urtexte inne, einige Kenntniß der autodidaktisch erlernten syrischen und arabischen Sprache; im Schreiben, Rechnen und Buchführen genoß er Privatunterricht, ebenso in der französischen ' und lateinischen Sprache bei einem bekannten Lehrer des Gymnasiums zum grauen Kloster in Berlin, Namens Naude. Seine Freistunden füllte er mit Spielen und Lesen aus. Er griff zu den verschiedenartigsten Büchern seines Vaters und las ohne Anleitung und Wahl alles bunt durcheinander, was ihm vorkam: den Abnlfede und den Koran, das neue Testament und Rousseau's Emil, kabbalistische und medicinische Bücher, deutsche Dichter und Wolfs Metaphysik. Kaum dreizehn Jahre alt, sing dieser talentvolle Knabe — wer sollte es glauben? einen Handel an. Er nahm, verleitet von seinem polnischen Lehrer, von dem er weder Gutes noch Böses zu sagen weiß, und ohne Vorwissen seiner Eltern, eine Partie Waare und hausirte; in kurzer Zeit hatte der kleine Handelsmann, der schon damals ziemlich geläufig französisch sprach, eine Menge Kunden und einen reinen Gewinn von baaren neunzig Thalern. Welcher Reichthum und welches Glück! Aber das Hausiren nahm ein possierliches Ende. Hören wir ihn selbst: „Eines Morgens gehe ich,