Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 89)
- Language
- German
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19 lange Zeit in gutem Andenken, er hatte so manche Stunde durch seine geistreichen, eleganten Vorlesungen gefesselt. Ob dieser Mann, der für die Wiener der eigentliche Lehrer der Kant'schen Philosophie, der ihr Mendelssohn war, und vor einem halben Jahrhunderte zu den berühmten und gefeierten Persönlichkeiten gehörte, noch heute in der Kaiserstadt gekannt und genannt wird? Es bedarf nur einer gedrängten Skizze feines Lebens, eine Erinnerung an seine Schriften und sein Wirken, um das volle Interesse für diesen jetzt zumeist der Vergessenheit anheimgefallenen Mann wieder rege zu machen. Der Philosoph und jüdische Gelehrte, dessen Leben und Wirken wir unfern Lesern vorführen wollen, heißt Lazarus B en d avid. Er war ein Berliner Kind und wurde den 18. Oktober 1762 geboren. Sein Vater, David Lazarus, stammte aus Braunschweig, seine Mutter, eine geborene Hirsch, war die Tochter des ersten Sammetsabrikanten in den preußischen Staaten. Kaum drei Jahre alt, könnte er schon ziemlich geläufig hebräisch lesen und wußte eine Menge hebräischer und französischer Wörter in's Deutsche zu übersetzen; da übernahm seine Mutter, eine gebildete Dame, — sie schrieb und sprach richtig französisch und deutsch — den ersten deutschen Unterricht ihres Lieblings. „Ich saß", so erzählt er selbst in seiner Selbstbiographie, „auf ihrem Schoße, und sie mit der Stricknadel in der Hand, führte mit derselben meine Aufmerksamkeit von einem Worte zum andern, das ich ihr nachsprechen mußte." Es wurde auch alsbald ein junger Mensch engagirt, den kleinen Lazarus in dem'hebräischen Text der Bibel zu unterrichten und in seinem sechsten Jahre kam er zu einem Polen, um, wie es noch in jener Zeit Sitte war, den Talmud zu studiren. „Ich kann nicht 2*