Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite XXXVII (sequence 63)
- Language
- German
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— XXXVII der Gewissensfreiheit. — darum ist die äußere Geschichte der Juden der treueste Spiegel der gegenwärtigen Zivilisation und verdient eine eigene Darstellung, wie sie deren auch bedarf. Aber auch die innere Geschichte der Juden ist von hohem Interesse für die Erkenntniß der allgemeinen Zeit- und Jdeengeschichte. Wir wollen hier nur vorübergehend auf die schon oft gemachte Bemerkung verweisen, daß sich im jüdischen Kreise auf leicht überschaulichem, weil kleinem Raume das ganze Panorama der gesammten Kulturgeschichte im verjüngten Maßstabe überblicken laßt. Hier findet jede Bewegung ihren Resonanzboden und zittert in kleinen Wellenringen nach, deren Jueinandergreifen innerhalb des engern Rahmens leichter verstanden wird. Aber der jüdische Geist hat auch seine selbstständige Sendung in dem Kulturleben der zivitisirten Welt, die auch nicht verkannt werden darf. Die Juden sind das Ferment, der Sauerteig, der in kleinen Quantitäten der Masse beigegeben, dieselbe in wohlthütige Gährung versetzt. Lange Zeit hindurch haben die Juden ihre Mitwelt nicht verstanden, und sind auch von dieser arg verrannt und mißverstanden worden. Des Juden geistiger Charakter besteht darin, sich ein Ideal von vorne herein zu bilden, dem er dann die reale Welt unterwerfen will. So war einst sein Staat, als er noch bestand, nicht aus dem faktischen Bedürfnisse herausgewachsen, sondern dieses mußte sich dem voraus aufgestellten Jdealftaate unterordnen. Die jüdische Religion ist eine Regulative, die den spröden Stoff der gegebenen Verhältnisse umbildeu will, und daher erschienen die Juden