Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite XXXV (sequence 61)
- Language
- German
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XXXV nehm sein. Aber um dessenwillen verdienen all die Amts-, Ordens-, Stimm- und Sitzverleihungen an einzelne Juden keine besondere Registrirung. Sie werden aber von hoher Bedeutung, so bald sie als Maßstab für den allgemeinen Fortschritt der Menschheit zur Denk- und Gewissens-^, freiheit dienen können. Der Grundzug, der alles Streben und Ringen der Gegenwart bestimmt, ist das Verlangen die Gewissen frei zu machen. Dieses Streben tritt in den verschiedensten Gestalten auf und zwar bald als mattherzige Toleranz, als gemeine Verträglichkeit , bald als ehrliche Anerkennung fremder Meinungen und bald wieder als Betonung und Geltendmachung der Individualität und der Emanzipirung der Persönlichkeit von Form und Schablone. Dieses Streben tritt als wissenschaftliches Theorem wie als praktisches Recht und Gesetz, als Tugend und als Laster, als ehrlicher Kampf wie als unberechtigte Ausschreitung, als strenge Arbeitsamkeit. wie als verwegenes Lottospiel in Erscheinung, bald in direkten bald in indirekten, bald im unbewußten bald in selbstbewußten Zusammenhang mit jener Grundidee, der wirklich ein weltgeschichtliches Moment innewohnt. Diese Grundidee.ist aber im Wesentlichen folgende: Die höchste Potenz des Ideales, zu welchem sich ein Mensch erheben kann, ist eben die Gottheit, die er verehrt, und der höchste Ausdruck aller idealen Bildung ist darum die Religion. Die Befreiung des religiösen Bewußtseins von allen fremdartigen Einflüssen ist die höchste Freiheit, die errungen werden kann. Wo das religiöse Bekenntniß vom Staats-