Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite XXXIV (sequence 60)
- Language
- German
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XXXIV Geschick der Völker, unter denen sie wohnen, es gebe so wenig eigene jüdische Zustände als es eine besondere jüdische Landeöwitterung und Bodenproduktion gibt. Trägt sich zuweilen etwas Eigenthümliches zu, so sei das eben entweder nur ein vom Herde der Geschichte versprengter Funken, der unbeachtet glimmen und verlöschen möge, oder sei höchstens eine unerhebliche Personalnotiz, die über das Interesse eines Individuums nicht hinausreicht. Spinnt man auch mühsam und künstlich einen scheinbaren Zusammenhang, um Vorfall an Vorfall zu reihen, so müsse doch der dünne Faden bald zerreißen und die Splitter werden wieder auseinanderstieben. Und dennoch gibt es eine sich ewig fortspinnende Geschichte des Judenthums, die zwar nur aus dem Laufe der allgemeinen Begebenheiten verstanden werden kann, ohne die aber auch kein gründliches Verständniß der Weltbegebenheiten, möglich ist. Die Juden haben keinen eigenen Staat, bilden keine politische Macht, besitzen kein ausschließliches Territorium! Ganz wohl! Aber eben darum lehrt uns die jeweilige Rechtsstellung, die sie in einem Staate einnehmen, die Kulturhöhe des betreffenden Staates am sichersten abschätzen. Es ist das das Wichtigste und Wesentlichste, was man aus dem äußern Schicksale der Juden heutzutage lernen kann, und diesen Offenbarungen der Zeitgeschichte sollte sich kein gebildeter Mensch verschließen. Nun darf man uns nicht mißverstehen. Die Vortheile, welche da einzelne begünstigte Inden aus der Aufklärung des Jahrhunderts für sich und ihre persönliche Stellung ziehen, mögen wohl für die Individuen sehr ange-