Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite X (sequence 36)
- Language
- German
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X gengähnte, der naivste und unmittelbare Jndifferentismus^ wie ihn etwa der kahle Felsen empfinden mag, der nicht weiß , was das Alpenblümlein sinnt, das sich in einer seiner Ritzen wiegt, oder wie daS Moos, das an ihn hinauf sich schleicht, der Anfang zu einem Pflanzthum ist, das ihm einst Leben und Bedeutung geben wird. Man kümmerte sich in Wien um das Treiben und Gähren der „Bikure haittim" nicht. Man ließ den Schriftsteller gewähren und entbehren, darben und sterben, und hatte keine Ahnung von den mächtigen Wirkungen, die sie auf die Judenschaft in den Provinzen ausübten. Mittlerweile waren denn doch einige Funken in die dürren Sparren gefahren und zündeten ein Streben unter den Wiener Juden an, das von hoher praktischer Bedeutung werden sollte. Man fing an für die neuen Ideen und Verbesserungsvorschläge empfänglich zu werden, nur mußten diese erst ihre gelehrten und wissenschaftlichen Formen abstreifen , und als praktikable Lithurgie und Kanzelrede in Erscheinung treten. Der geniale Mannheimer trat auf und ward bald der Mittelpunkt des geistigen jüdischen Lebens in Wien. Noch etwa 6 Jahre erhielten sich die Bikure haittim, 1832 starb der Almanach zum ersten Male und „mein'Schwester der Marlenifchen, sammelte die Benkchen" — die Kanzelrede trat die Erbschaft des periodischen Schriftthumes an, lehrte den, Juden Selbstachtung und Gefühl der eigenen Würde kennen, wechselte die Schütze der Bibel und des Midrasch in blanke, gangbare Münze um , weckte die Geister, bannte den Jndifferentismus für einige Zeit, und brachte das Gemeindewesen in das erste Stadium einer