Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite IX (sequence 35)
- Language
- German
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IX eben dieser strebsame, wissenschaftliche Geist, des Buches eigentlicher Vater, machte es bald unmöglich, weil unpopulär — es war „der Vater, der mich aß." — Nach zwölf Jahren segensreichen Wirkens mußte die Herausgabe eingestellt werden. Es starb aus Mangel an Theilnahme und Gönnern. Denn ob auch in Wien die Wiege, unseres Helden stand, so hat doch dieser rein geografische Umstand nicht das geringste zu seiner Entwickelung beigetragen. Wie nach des Volkes Sagen die Elfen still und heimlich ihr Reich und ihre Herrschaft mitten unter Menschen gründen, die ihrer nie gewahren, die den Segen jener empfinden, ohne die-Urheber zu achten, oder auch nur zu ahnen, so arbeiteten und schafften die Geister der „Bikura haittim" hier in Wien an dem Ausbau des Judenthums von der eigentlichen Wiener Judenschaft ungekaunt oder als Bettelvolk verachtet. Die Geister huschten durch die Straßen, schlüpften in die Dachkammern, rauschten in den Papierblättern, glitten wie die Schatten dahin — der Wiener Jude von damals aber wurde entweder Christ oder Tolerirter oder das Opfer der Polizeihäscher. Damit erschöpfte sich sein theologisches Programm und was außerhalb desselben lag, war nichts als Börse, Geld und Reisepaß mit gebundener Marschroute. Man kann nicht sagen, daß die reichen Wiener Juden sich engherzig der jüdischen Wissenschaft gegenüber erwiesen Hütten, oder der Besitzstand sich in bewußte Opposition zur Intelligenz setzte; es war kein Kampf der Ptutokratie mit der Macht des Geistes —. Es war vielmehr vollständige Apatie, die den jüdischen Bestrebungen entge-