Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite VII (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6044-3183065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VII ttuttg zu reichen. Ein solches Volk kann ein eigenes periodisches Schriftthum gar nicht entbehren, es hat das Bedürfniß fortwährend Mittheilungen zu machen und entgegenzunehmen, was durch den Charakter dessen, was man Judenthum und jüdische Wissenschaft nennt, nur noch gesteigert wird. Das Judenthum ist eine Religion, die wirklich eine Geschichte hat, niemals zum Abschluß kommt, immer als unfertig erscheint und der weiteren Entwickelung und Ergänzung harret. Denn das Judenthum ist das Leben und dem Leben ist das stete Wachsen und rastlose Weiterbilden charakteristisch. Da lagert sich Rinde auf Rinde um den alten Stamm, aus den Aesten kommen immer neue Zweige, sprießen immer neue Reiser, wobei aber kein Blättchen sich unabhängig zu machen wagt. So kommt es, daß die ganze bändereiche Literatur der Juden sich nach Außen hin nur als großen, weitläufigen Kommentar zu dem uralten Schriftenthnme gibt. Alle geistige Arbeit der Jahrhunderte, jede neue Entdeckung, jedes Erlebniß und jede Erfahrung, die schriftstellerischen Ausdruck gefunden haben, erscheinen in der Form einer Interpretation zum ersten und ältesten Buche, als. Illustrationen zu einzelnen Bibelstellen, als Dienerschaft im Hause der Thoraforschung. Die Thora wird somit nicht nur der Mittelpunkt der Religion und des gläubigen Lebens, sondern der ganzen geistigen Regsamkeit, sie wird das einende Band für alle wissenschaftlichen Bestrebungen, und auf ihrem Gebiete treffen.die Geister wieder zusammen, die nach den verschiedensten Richtungen auseinander gegangen waren. Da gibts nun wieder allerlei zu erzählen, und mitzutheilen. Der Schöngeist singt Geßner's