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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite VI

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite VI (sequence 32)
Language
German
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VI spielt war, auch hüben in Szene zu setzen, und die hebräische Sprache und die jüdisch-deutsche Schrift als Kommunikationsmittel zwischen Weltbildung und Ghetto zu benützen. Er wollte sein Publikum erst daran gewöhnen, Schiller in hebräischer Zunge singen und die „rabbinischen Lehrsprüche" im deutschen Idiome sich ausdrücken zu lassen. Spricht einmal der Midrasch rein deutsch, und Schiller gut hebräisch, so müssen sie bald dicke Freunde mit einander werden. Das Mittel wirkte, und will man nicht undankbar sein, so muß man zugeben, daß der Wiener jüdische Almanach mehr Bildung als alle Universitäten verbreitet und unter das Volk gebracht habe. Denn Salom Kohn war zwar äußerlich genommen der Urheber der „Bikure haittim," aber ihr wahrer Vater war jener Geist der Inden, dem der geistige Verkehr und Ideenaustausch von jeher Bedürfnis war. Die jüdische Literatur ist im .Verhältnisse zur Anzahl ihrer Pfleger und Gönner die reichhaltigste und umfangreichste auf dem Erdboden, und der Schreibe-, wie Lesedrang steckt in jedem Juden und haftet ihm als Zug des Nationalcharakters an. Schon seit anno Koheleth (Eccl. 12, 12), was jedenfalls schon sehr lange her ist, beherrscht die jüdischen Federn eine rege Schreibseligkeit, die im Laufe der Zeiten sich nur gesteigert. Ein Volk, von so unglücklichem Leben, mit dem vollen Bewußtsein seiner Unsterblichkeit , hat sich immer etwas zu sagen, innner viel mitzutheilen. Von den Feinden umlauert und selbst von den vereinzelten Sonnenstrahlen der Gunst nur geneckt, hat man sich stets zu warnen, oder zu ermuthigen, für neues Unglück vorzubereiten, oder Strohhalme der Hoff-

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