Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite V (sequence 31)
- Language
- German
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V Betrachtungen über den Herbst" wechselten mit den Wegmauthgebühren an den Linien Wien's ab, Schiller's „Glocke" in's Hebräische übersetzt, und die „Kultur der österreichischen Israeliten" in's Deutsche übertragen, boten sich die Hand. So weit war einmal das Jahrbuch, das Kind der Mutter Zensur — „Mein Mutter, die mich schlecht." — Sein Vater aber hieß laut des Passes, den er mit sich führte, Salom Kohn, war aus Hamburg gebürtig, und das leibhafte Portrait des damaligen auf- und niederwogenden Judenthums. Salom Kohn war das verkörperte theologische Experiment, der wandelnde und ruhelose Reformversuch, des unsteten Verbesserungsstrebens. Der Frühlingsdrang, welcher damals die Inden Deutschlands beherrschte, vibrirte in allen Fasern Kohn's, dem es überdies immer singerlich zu Muthe war, und der sein schönes poetisches Talent überall erklingen ließ, wo neue Schöpfungen ins Leben traten. Die Tagesparole der deutschen Juden war damals „jüdische Wissenschaft." — Man sah ein, daß die ästhetische Synagoge allein noch nicht das ganze Leben zu umbilden vermöge, daß es mit einem äußeren Firnisse nicht abgethan sei. Man wollte ganz andere Hebel in Bewegung setzen, um die Gemeinden auf die Höhe der Zeit zu bringen, und dazu sollte die Wissenschaft dienen, die das Bewußtsein klärt und den Kern von all den Krusten losschült, die sich darüber gelagert hatten. Es entstand „die Zeitschrift für Wissenschaft des Judenthums," die aber in Oesterreich weder Käufer noch Kenner fand. Salom Kohn faßte nun den Gedanken» die Reformgeschichte, soweit sie im Auslande bereits abge-