Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Wort: Dein ja sei rechtschaffen und Dein nein sei rechtschaffen und all ihr Handel geschah in Treuen. Kamen sie aber ins BethauS, da schlugen sie sich auf die Brust und sprachen: „ffiir haben gefehlt, wir haben veruntreut, wir haben geraubt und all daS war gelogen, denn sie waren treu gewesen vor Gott und den Mensche». Heute aber ' ist es umgekehrt. In ihrem Handel üben sie Falschheit und Betrug, im Gebet aber bekennen sie die Wahrheit. Abraham nnd Lot Der Berdyczewer kam einst nach Lemberg und ging in daS Haus eines reichen uub angesehen Mannes. Zinn Hausherrn vorgelassen bat er, ihm Unterkunft für einen Tag zu gewahren, verschwieg aber Namen und Stand. Der Reiche fuhr ihn an: „Ich brauche hier keine Wandersleute. Geh doch in eine Herberge!*' „Ich bin kein Herbergsgast", sagte der Rabbi, „gib mir etwas Raum in einer Stube, und ich will Dich um nichts anderes behelligen." „Fort mit Dir!" rief jener, „wenn Du kein HerbergSgast bist, wie Du sagst, so geh zu dem Schullehrer um die Ecke; der pflegt solche zugelaufene Leute mit Ehren zu empfangen nnd zn bewirten." Rabbi Levy Jizchak ging zum Schullehrer und wurde mit Ehren empfange« und bewirtet. Aber auf dem Wege hatte ihn jemand erkannt und alsbald verbreitete sich in der Stadt die Krmde, der heilige Rabbi von Berdyczew sei da und habe im Hause des Schullehrers Wohnung genommen. Kaum hatte er ein wenig geruht, staute sich schon eine Menge Zulaßbegehrender vor der Tür, und als sie geöffnet wurde, strömten die Scharen herbei, den Segen des Zaddiks zu empfangen. Darunter war auch jener reiche Mann; er drängte sich vor dem Rabbi und begann: „Möge doch unser Herr und Meister mir vergeben und mein Haus seines Besuchet würdigen. Alle Zaddikim, die nach Lemberg kamen, haben bei mir gewohnt." Rabbi Levy Jizchak wandte sich zu den Umherstehenden und sprach: „Wißt Ihr, welches der Unterschied zwischen unserem Vater Abraham, der Friede über ihn, und Lot ist? Warum wird mit solchem Wohlgefallen erzählt, wie Abraha« Butter, Milch und ein zartes Kalb den Engeln austrug? Hat doch aus Lot ihnen .einen ungesäuerten Kuchen gebacken und ein Mal vorgesetzt. Und warum wird es . als Verdienst angesehen, daß Abraham sie in seinem Hause aufnahm? Hat doch auch Lot sie geladen und beherbergt. Aber es verhält sich damit also. Bei Lot heißt es: Und die Engel kamen nach Sodom. Bei Abraham aber heißt er: Und er blickte auf, siehe, da standen die Männer vor ihm. Lot sah EngelSgestalten, Abraham arme, bestaubte, der Ruhe und der Labung bedürftiae Wandersleute- Der Neidische Der Berdyczewer ging einst auf der Straße auf einen Mann zu, der ein hohes Amt inne hatte und ebenso böse wie mächtig war, faßte ihn beim Saume, seines Rockes und sprach zu chm: „Herr, ich beneide dich. Wenn du zu Gott umkehrst, wird aus jedem deiner Flecken ein Lichtstrahl werden, und du wirft ganz z» Licht gedeihen.. Herr, ich beneide dich um dein großes Leuchten." / Mitgeteilt von Martin Bnöer