Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Schafherde auf dem Zindenbaum Alle haben schon einen Lmdenbaum gesehen, aber wenige wissen, daß die Linde Weidegrund für große Herden winziger Schäfchen ist. Von diesen will ich erzählen, und vielleicht nimmt sich der eine oder der andere die Mühe, in einer «armen Sommernacht die Tierchen bei ihrem Treiben zu belauschen.. Am Tage kann man sie nämlich nicht sehen, denn es sind gar lichtscheue Geschöpfe, die nur des Nachts ihr Wesen treiben. Wenn die Linde im Schmuck ihres jungen Blätterdaches stebt, dann nehmt euch einmal eins der zarten frischgrünen Blättchen; ihr werdet finden, daß an den Winkeln, die der Hauptnerv mit den Nebennerven bildet, sich kscine graubraune Klümpchen befinden, die flch bei näherer Betrachtung als Häuschen entpuppen. Wenn die Blätter größer und kräftiger geworden find, dann ziehen eines schönen Abends kleine wollige Tierchen, die Milben, die Schafe des Lindenbaumes, in hellen Scharen ans den Ritzen der Stämme und Aeste, aus alten vorjährigen Früchten, die der Wind herabzuschütteln vergessen hat, und anderen Winterverstecken heraus. Und gleich beziehen sie die Wohnungen, die ihnen der vorsorgliche Baum schon vorher bereitgestellt hat. .Dort fitzen fie den lieben langen Tag über und schlafen. Doch wenn die letzten Strahlen der untergehenden Sonne sich im Abendnebel verloren haben, dann schlüpfen sie aus ihren molligen Verstecken und gehen an ihr Werk. Kreuz und quer kriechen sie über die grünen Blätter, bald hier eine Rast machend, bald dort einen kostbaren Fund, sei es nun einen Bazillus, sei es ein anderes mikroskopisches Wesen gemütlich verzehrend, und üben so die Gesundheitspolizei aus. Bald haben sie das Blatt blitzblank gekehrt, beziehungsweise geleckt, und gefressen. Nun unternehmen sie noch einen kleine» Verdauungsspaziergang, um dann ihre Speise in veränderter Form wieder von sich zu geben und damit beginnen sie ihre Schafstätigkeit. Denn dieser Auswurf ist die Wolle, die der Besitzer Linde von seinen Schafen gewinnt. Er ist nämlich sehr stickstoffhaltig, ein Stoff, der der Pflanze zum Leben ebenso notwendig ist wie uns Gemüse und Fleisch. Wenn aber der erste Hahnenschrei ertönt, dann verschwindet daS fleißige Völkchen wie ein Spuk in seine Behausungen. Solche MilbenhauSchen treffen wir auch bei einer großen Menge anderer Bäume und Sträucher an, zum Teil in ganz veränderter Form. Doch davon verrate ich euch nichts, das sollt ihr selbst finden. Worms < - Kurt Holzer Zer Fuchs und das Wiesel Abermals fragte Nebuladnezar Jesus, den Sohn Sirachs: Wefsentbalben ist von jedem Tier auf Erden ein Ebenbild im Meer«, nur nicht vom Fuchs und vom Wiesel? Und der Sohn Sirache erzählte: ES geschah, daß, nachdem der TodeSengel dir Lore hinter Mileham geschlossen hatte, der Herr zu ihm sprach: Wirf in» Meer von jeglichem Geschöpf je ein Paar, und über die anderen sollst du die Herrschaft haben. Da tat der TodeSengel IbS