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Blau-Weiss-Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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nehm aufzufallen, hat. Da ist eines, die Hundskamille. Nicht sehr grob, nicht so sehr gefährlich, wenn es mal stehen -leibt, aber immerhin häufig genug. Sein Name offenbar daher, baß es wie die Kamille nicht breite Blätter, sondern vielmehr, auf zwei, drei glatten, weichen Stengeln einen Busch Faden trägt, also kraus auSsiehtt ES siedelt unmittelbar zwischen dem Weizen. Jetzt packst du den besagten Stengel Und ziehst, und da es nicht nachgibt, ziemlich heftig und behältst einen Weizenhalm in der Hand. Das geschieht fast jedesmal infolge der Aehnlichkcit der Stengel beim Anfaffen, wenn du dich nicht durch die Schwierigkeit des Ausziehens eines besseren hast belehren lassen. Denn der Weizen sitzt vermöge der Fasern, mit denen das Korn im Boden verankert ist, immer noch um ein beträchtliches fester als das meiste Unkraut. Das letzte der wichtigen Unkräuter ist das „Meer". Vielleicht deshalb so genannt, weil es gleich einem Meor den ganzen Erdboden bedeckt, flächenartig gerichtet, während alle anderen Ln die Hohe streben. Von der Wurzel breiten sich lange Fäden nach allen Seiten aus, winden sich durch die Getreidepflanzen, kleine runde Blättchen auch Blüten tragend. Uebrigens scheint es mir ungenau, den Namen „Meer" all den unter sich ähnlichen Unkräutern zu geben, die den Weizen „verdampfen", „ersticken". Es gibt auch solche, die an der Wurzel einen wahren Busch von Strängen bilden, andere mit mehr einzelnen Fäden. Jedenfalls kommt es immer darauf an, den Faden bis zur Wnrzel zu verfolgen. Das Ausreiben, hier und da nutzt wenig. An der Wurzel, au dem Busch muß das Ungeheuer gepackt werden. ES gibt leicht nach, die Stränge folgen aus allen Richtungen. Das Bild klärt sich sofort, und der Weizen ist vom Erstickungstod befreit. Eines dieser „meer"-ähnlichen Unkräuter mit unscheinbaren weißen Bliiten — wir haben es auf keinem unserer Felder - trägt den Namen: „der Hunger". Wo der „Hunger" sitzt, steht das Korn gar sehr spärlich. . Und nun gibt es noch viele unscheinbare Unkräuter, Plebejer unter den Unkräutern. Wollten wir jedes ausreißen, wir müßten vier Wochen im Weizen Hockern Denn wie langsam rücken wir doch auf den Knien über das Feld kriechend vor, nur soweit von einander entfernt alsman mit den Armen nach beiden Seiten langen kann, den Korb neben uns, der voll ist, wenn wir einmal das Feld überquert haben! Dann rufen wir den dicken. Gerhard, unseren Kleinsten, der am liebsten mit im Felde und auch am artigsten ist. Die anderen kommen wohl auch mit heraus und bringen die Vesper mit. Dann setzen wir uns alle zusammen an den Wegrand und vespern, essen die Schnitten und trinken den Kaffee, bevor er in der blauen Kanne kalt wird. - Wir sehen, wie Nachbars ebenfalls zu dreier» nebeneinander im Korn sitzen. Wir wifferr schon, was sie Lun. Bei Zimmers fahren sie sogar noch Mist. Die müssen also mit dem Kartoffelstecken noch gar nicht fertig sein. Die machen'- jedenfalls richtig gemäß der Behauptung, die Frau Stiller aufgestellt hat, daß nämlich die Kartoffel so spräche: «Steckt Ihr mich im April, dann komm ich, wann ich will. Steckt Ihr mich im Mai, dann komm ich glei(ch)." Ist man mit der Bestellung fertig, so kann man natürlich an andere Arbeiten gehen. Bei uns wird immer flink gearbeitet. Von Langsamkeit deS deutschen Bauern will ich wahrlich lieber nicht reden, der ich immer mit meinem Körbel hinter den anderen zürückbtelbe. lü7

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