Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Korn und die immerhin auch nicht gerade aufregend grüne Farbe der Disteln? Viel eher patzt hier das Mattgold anderer gröberer und kleinerer Käfer hinein, die ich wohl von fluchtigem Ansehen, aber auch nicht näher Lei Namen und Familie kenne. So rücken wir langsam über das Feld vor. Jeder hat sein Revier, und wenn man sich, wie man auch soll, noch vorsiebt, daß man den Hafer nicht zu sehr niedertritt, sondern statt dessen möglichst in die »Furchel* tritt —denn er ist ja nicht Lreitwürfig mit der Hand, sondern mit der Drillmaschine gesät worden — so sieht eS zum Schluß ganz schön sauber aus, da ja das andere Unkraut noch zu winzig ist, um den Sand zu bedecken, zum Teil überhaupt noch nicht aus der Erde ist. Man sieht, was man getan'hat, und das befriedigt. UI. Hiermit ist schon angedeutet, daß es anderswo nicht so ist: nämlich beim Weizenjäten, bei dem allerdings nicht der Weizen, sondern das Unkraut gejätet wird. Hier genügt eS nicht wie bei den Disteln, deren Hauptfehler ist, daß sie uns stechen, wenn wir sie nicht stechen, das Unkraut zu entfernen, sondern dem Weizen mutz Luft geschafft werden vor dem Unkraut. Dieses hat seit dem Herbst, als das Feld gestürzt wurde, Zeit genug gehabt, wieder an der Oberfläche zu erscheinen und hat das ganze Feld, auf dem der Weizen schon buschig ist, dicht bedeckt, am meisten allerdings an den Stellen, an betten der Weizen nicht so dicht steht. Westen Schuld das ist, ob des Unkrauts, weil es zuerst da war und den Weizen nicht aufkommen ließ oder ob des Weizens, weil er nicht da war und. daher dem Unkraut die Möglichkeit zur Ansiedelung gab? Ich nehme dieses an) denn es spricht dafür, daß am Rand, wo die Körner nicht so gleichmäßig fallen, das Unkraut am dichtesten steht. Disteln gibt es natürlich auch hier, nur nehmen sie keine Ausnahmestellung', gegenüber dem anderen Unkraut ein, sie gehören eben mit dazu. Oder nur insofern als sie unter allen Umständen herausmüssen, während es bei dem oder jenem anderen Unkraut wohl übersehen wird, wenn es stehen bleibt. Mit Ausnahme allerdings eines, das ist das Ziegebein und niemand anderes als unsere liebe Kornblume, so daß man das. Sprichwort prägen möchte: Weizen jäten und Ziegebein stehen lasten. Während nämlich die Distel infolge ihrer andersartigen Physiognomie sofort auffällt, ist dies beim Ziegebein nicht so. Von Blume ist natürlich jetzt noch keine Rede, die grüne Pflanze aber hat jetzt ungefähr dieselbe Höhe und Farbe wie der Weizen, der Stengel ist allerdings stärker, meist nur ein Stengel, während beim Weizen viele Halme dicht beieinander stehen. Die Blätter sind abgerundet, während die des Weizens spitz sind, und so kommt es, daß man allerdings schon immer eine Ahnung von dem Vorhandensein des Unkrauts hat, wenn man an ein Büschel Weizen kommt, das gar so dicht ist und dabei doch einen etwas unordentlichen, uneinheitlichen Eindruck macht, als müsse etwas nicht stimmen. Und richtig: ' bei genauem Hinsehen besteht das Büschel zum großen Teil aus einem dicken Ziegebein, das wir möglichst weit unten anpacken und ausreißen wollen. Natürlich bricht eS an der Wurzel ab. Wir hätten es also doch erst lieber etwas mit dem Messer' an der Wurzel lockern und dann auSzieherk sollen. Aber die Wurzel, die so fest sitzt, müß diesmal mit.heraus, denn das Ziegebein hat die Angewohnheit, sopst zu schnell nachzuwachsen. Ueberhaupt scheint daS Unkraut feinen Namen erst eigentlich dadurch zu verdienen, daß jedes seine eigene Art, bester Unart, unangem