Mannheim
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Blau-Weiss-Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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kleinen Disteln waren eben noch nicht recht herausgekommen, und es wäre dumm gewesen, damals schon an den Hafer zu gehen. Es hatte ja auch noch nebenan im Weizen Arbeit gegeben. Jetzt war eS aber höchste Zeit, denn sonst wäre der ganze Hafer krank' geworden. Wir gehen jedoch erst zu Mittag (II Uhr), denn vorher war eS noch naß, wie wir auch nach dem Regen erst einige Zeit warten mußten, . -iS wir mit dem Distelstechen anfingen. Es ist ja klar: wenn der Acker naß ist, wird er zu sehr zertreten, und auch die Disteln find zu schmutzig, nicht für uns, aber firrdaL Vieh, das sie nachher fressen soll. Außerdem gibt es auch vormittags Arbeit genug: Zweimal wöchentlich den Stall reinigen oder manchmal Gemeinarbeit. Das ist folgendes. Die ungep flüsterten Wege find vor Löchern bei Negenwetter unbefahrbar, und in den ersten schönen Frühlingstagen, wenn der Boden nur einigermaßen trocken ist, unternimmt eS die Gemeinde gemeinsam, ihren Teil der Wege, also bis zur Grenze, in Ordnung zu bringen. Auf Ansage des Ortsvorstehers ist an einem Morgen von jedem Gehöft eins mit der Schaufel zur Hand da, und ohne viel Federlesen, ohne daß einer kommandiert, wird gearbeitet. „Wer sich auf Ge« meinarbeit tot arbeitet, bekommt einen kupfernen Sarg", sagen die Leute hier. Man macht in der. Zeit Frühstück und Mittag und sieht, daß man fertig wird so gut es geht. Jeder hat noch genug bei sich selbst zu tun. Da wird z. B. das Gerinne zu beiden Seiten der Dorfstraße immer vpm Anlieger sauber gemacht. Voriges Jahr ist es bei uns nicht geschehen, so daß sich dieses Jahr das Gras ordentlich festgesetzt hat. Die Säuberung Erfordert deshalb angestrengte Arbeit, zumal da wir ein ganz schönes Ende der Dorfstraße zu reinigen' haben. Das Kreuz tut-rnir daher schon weh, als wir zu Mittag alle drei, der Großvater, die Bäuerin und ich — ich mit der Robcr (lies Nadfahrlarre) — luS Feld gehen, um Disteln zu stechen. Hier im Hafer stehen sie so dicht, daß wir meist nicht mehr, gebückt gehen, sondern knieen- Das strengt zwar nicht so an, aber es ermüdet auch, weshalb ich bald hocke, bald die Kniee wechsele, bald, wennn es nötig ist, aufstehe. Das Körbel setzen wir neben uns und stechen so flink es geht, und eS geht leider bei den anderen, wie mir scheint, immer noch flinker als bei mir. Ihr Körbel ist meist eher voll. Ich will mir einreden, daß ich ein größeres Körbel habe, aber eS wird - wohl doch das andere der Grund sein. Vielleicht stehen sie auch geschickter als ich, denn oft kommt eS so vor, daß ein paar Blätter von der Distel liegen bleiben, waS ja an und für sich nichts schadet, denn die Distel wächst 'Nicht nach, aber in angeborenem Sauberkeitsgefühl klaube ich auch diese peinlichst auf. Hier zeigt es sich (eine allgemeine Feststellung), daß übertriebene Gewissenhaftigkeit id est Pedanterie beim Landwirt schaden kann. Der Tüchtige macht seine 'Sache natürlich flink und doch sauber. Bei dieser Arbeit scheint es mir auch, als ob es nicht nur Disteln schlechthin gäbe, sondern als ob sie einmal hier in der - Ecke länglicher, aufrechter und doch weicher und mehr saftig grün, drüben an der Seite wieder krauser und spitziger seien. Dort steht sogar eine gelbfleckige Art oder liegt eine Krankheit vor? Jetzt wieder erregt ein sich bewegender grellroter Punkt, der so rot wie die Biese meiner Militärhosen dicht daneben und wirklich nur ein Punkt so groß, wie ein Sandkorn ist, meine Verwunderung/ da er sich bewegt. Durch Analogieschluß mit größeren, ähnlichen Tieren stellt sich schließlich heraus, ' daß es sich um eine LauS, nämlich die FeldlauS handelt! Woher aber, frage ich mich, kommt diese rote Farbe in ein Milieu wie den grauen Sand, das zartgrüne 155

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