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Blau-Weiss-Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ausgewintert ist, d. h. wo die Mäuse nicht gehaust haben, wahrend Hafer und Gerste doch erst dünne zarte Hälmchen draußen haben. Hätte der Weizen jetzt schon lange Halme, so könnten wir nicht mehr in ihn hineingehen, denn, die niedergetretenen Halme würden sich nicht mehr aufrichten. So ist es uns beim Korn (lies Roggen) ergangen. Als wir jetzt nach den kalten und regnerischen Tagen wieder aufs Feld hinauSkamen, sieh', da stand eS schon ganz hoch, und als wir herankamen, da waren doch so viel Disteln drinnen, daß mir jetzt schon vor der Ernte graut. Meine Hoffnung ist aber die: ich werde bis dahin schon „Hauen" (lies Mähen) gelernt haben, ,»nd dann werde ich daS Korn hauen, und die Bäuerin und Mariecheu werden ein- ' binden. Ein paar Disteln haben wir aber doch herausgeholt, die am Rande. Der Weizen steht gleich hinter dem HauS „im Garten", wie es bei uns heißt — da, wo jetzt die Aepfel- und Birnbäume herrlich blühen — und so kommt es, daß tmfcre Hühner, sobald die Tür zum Garten ausgelassen wird, hindurchschlüpfen und daß der Großvater, wenn er beim Mittageffen zufällig einen Blick zum Fenster hinauöwirft, mit 'strenger Miene sagt: „Kurt und- Hilda, geht e'mal num und jagt die Hühner aus 'm Wäze." Und widerstrebend nur wird Folge geleistet. Wir brauchen also gar nicht in den Weizen hineinzugehen, sondern nur erst mal am Rande hin und. uns bücken und mit dem scharfen Messer dicht neben der Distel in den Boden fahren. Dann wissen wir schon, ob wir sie einfach mit der linken Hand herauSnehmen können oder ob wir noch einmal in der Erde herumstochern müssen, um die Wurzel durchzuschneiden. Anfassen können wir die Disteln ruhig, denn sie sind noch klein und zwar schon stachlig, aber nicht so häßlich wie später, wo sie verdorrt und hart sind. Manche sind auch jetzt schon größer, dann stechen sie etwas mehr, aber man findet sie besser als die kleinen. Im allgemeinen hat man gar nicht nötig, besonders nach ihnen zu suchen, denn sie fallen zwischen dem viel helleren Getreide durch die dunkelgrüne Farbe und die viel massigere Form sofort ins Auge. Aber die ganz kleinen Pflänzchen, die soeben erst drei, vier Blätter hinausgesandt haben, entgehen dir doch oft beim Dahinschreiten, wenn du auch da, wo viele bei einander stehen, gebückt gehst, da das Ausrichten sich ja nicht Lohnen würde. Und dann ist nach 14 Tagen das Feld schon wieder voller Disteln, während du doch glaubtest, jetzt wären sie im allgemeinen ausgerottet, denn zum Schluß brauchtest du bald eine Stunde und hattest doch das Körbel noch nicht voll. Und der Großvater (so wurde später berichtet), der beim Salatpflanzen von weitem zusah, meinte drinnen zur Bäuerin: „Na, nun muß es aber nicht mei veil Disteln haben, der Korl geht ja immerzu grade." Eigentlich viel hatte es nur im Grunde gegebene m der niedrigst gelegenen Ecke des Feldes, wo vor zwei Jahren das Hochwasser bis in den Mai hinein gestanden hatte, so daß Mariecheu von 'dieser Ecke meinte: die Frau Rachbar'n wäre wohl dort lang gegangen und hätte immer handvoll Distelsamen auf unser Feld gestreut. Roch schlimmer sieht es da draußen in dem jungen Hafer aus. Gleich in dem ersten kleinen Stück, wenn wir unseren Feldweg hinaufkommen, zeigen sich an den Stellen, au denen damals das Wasser gestanden hat, gelbe Flecken, im Hafer, die daher rühren, daß alle die Hälmchen an der Spitze gelb gefärbt sind. An denselben Stellen ist es dunkelgrün von Disteln — ein ganzes Pflaster, wie Frau Stiller meint. So üppig haben sie sich erst seit wenigen Tagen entwickelt, während es vorher ein leichtes schien, die paar Disteln aus dem Hafer herattszuholen. Die 1Ü4 ■ ■ '' - ■ ■

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