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Blau-Weiss-Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Bericht vom Unkrarrl Der folgende Aufsatz ist die erste einer Reihe von Schilderungen, um welche wir einige in der Landwirtschaft arbeitende Gefährten gebeten haben. Wir bitten um weitere Zusendungen. Die S chriftleituug. I. Die Frühjahrsaussaat ist vorüber, die Kartoffeln und Rüben sind gesteckt und bis zum ersten Henschnitt im Juni sind wohl noch sechs Wochen Zeit. Was beginnt der Bauer jetzt, da er doch nicht ganz faulenzen kann? Ist schlechtes Wetter, so werden aus Langstroh Seile für die Ernte gebunden, und es ist nickt leicht, den Knoten so fest zu ziehen, daß nicht das Seil wieder auseinandergeht, wenn man mit dem Fuß auf das eine Ende tritt, an dem anderen aber mit Kraft zieht. Denn dieser Probe muß ein rechtes Seil standhalten. Aber glücklicherweise kommt der Frühling doch endlich mit wärmeren Tagen — immerhin ist es schon Mai, und wir warten schon lange genug — und mit ihm eine schöne Arbeit, wie die Bäuerin meint, das Urikrautjäten. ES gibt zwei Arten Unkrautjäten, ungerechnet das „Oueckeulasen". Denn auch die Quecken find natürlich Unkraut, ja eigentlich das Unkraut schlechthin, unser Zndschill: Zähe, weiße Wurzeln mit ein paar grau-grünen Halmen. Meistens find e8 nur die Wurzeln, die wir oft mit Strohhalmen verwechseln. Auch solche lugen ja vom untergepflügten Dünger aus dem Acker, woraus wir ersehen, daß erst vor kurzem gestürzt und geeggt worden ist. Ja, der Boden ist sogar nach dem Eggen mit dem Krümmer, der lang- und krnmmzinkigeu Eisenegge, besonders auf.- gewühlt worden, damit die Quecken ans Licht kommen sollten. Nun find wir aber schon nach der Aussaat. Der Acker ist frei von Quecken, und das ist gut. Es zeugt davon, daß die Arbeit in den Vorjahren tüchtig nnd genau besorgt worden ist — denn wie bald ist ein Feld verqueckt! Ungeachtet deS Queckenlesens gibt es also zwei Arten von Unkrautjäten: das D i st e l st e ch e n im besonderen und daS W e i z e j ä t e n im allgemeinen. . ... II. Ich wußte eigentlich garnicht, daß das Korn, nachdem eS gesät worden ist — Roggen und Weizen zum Winter, Hafer und Gerste tu der Frühjahrsbestellung — noch einmal behandelt wird^ sondern dächte, daß man eS nunmehr Regen und Sonnenschein überlaßt, das daraus zu machen, was wir nachher ernten werden, und bei extensiver Wirtschaft mag es wohl auch so sein. Aber da ich noch vom vorige» Jahre her wohl in Erinnerung habe,, wie die. Disteln nachher beim Zusammenraffen, Einbinden und Hinaufreichen der Garben auf den Wagen in die Finger stechen, bin ich ganz froh, daß eS anders ist, und die Arbeit ist wahrhaftig nicht schwer Mein Vorgänger beim Bauern, Primaner auf Hilfsdienst, zog beim Garbenbindeu der Disteln wegen Glacehandschuhe an. Frau Stiller, die Bäuerin, allerdings meint, es wäre nicht so schlimm, und die Disteln gingen ihr nachher beim Wäschewaschen wieder mit aus der weich gewordenen Haut. Wir nehmen uns ein Körbel und ein scharfes Messer und gehen in den Weizen, der jetzt zwar noch nicht „schießt*, d.h. lange Halme macht, aber doch schon ganz ansehnlich und dicht auf >em Acker steht, dort wenigstens, wo er nicht 16»

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