Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Tunis 1× ep/1048155
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gehören. Auf letzteren ist daher die Narikruste, nur schwach oder garnicht ansgebildet. um so stärker aber auf dem weichen Kreidegestein des Senon wie auch bei bröckeligen mergeligen Lagen des Cenoman. Bei Jerusalem ist die Narikruste, unterbrochen von einigen kümmerlichen Getreidefeldern, weit verbreitet auf dm Abhängen. Aber am Wege nach Jericho durch die Wüste Juda ändert sich allmählich das Landschastsbild, speziell etwa da, wo rechts der alte Weg nach' Nebi Musa von der Hauptstraße abgeht. Hier treten wir aus der bisherigen,-noch mit Vegetation bedeckten Halbwüste in die eigentliche Wüste ein. Die Getreidefelder verschwinden vollständig und ebenso auch der seine Entstehungsart nach auf (wenn auch geringe) Niederschläge angewiesene Nari, das Merkmal der Halbwüste. Jetzt tritt das geborene Felsgestein nackt und. unverwittert zutage, nur in tieferen Teilen der Böschung an den Talufern,von losen Schuttmassen verhüllt. An seiver Oberfläche ist der Nari vielfach noch von einer papierdünnen harten Kieselschicht bekleidet.. Auf Gebirgspfaden glättet sich dieselbe unter den Hufen der Tiere und bietet dann an steileren Flächen zuweilen recht gefährliche und berüchtigte Gleitstelleu für die Last- und Reitpferde. Diese kieselige Oberschicht hindert einerseits die Zerstörung des Narigesteins durch'die Atmosphärilien, anderseits auch die Verdunstung heS unter ihr eingedrungenen Wassers, das so den tiefwurzelnden Pflanzen zur Verfügung bleivt. Nach unten ju wird der Nari immer weicher und geht in eine mürbe, weiche. Lockere, stets mehr oder weniger feuchte mergelige Zwischenschicht über, unter der erst daS eigentliche Grundgestein folgt. Wo der Nari an den Abhängen lokül durchbrochen und die weiche Basisschicht erreicht ist. kann diese leicht entfernt und so der Nari unterhöhlt werden. So entstehen natürliche, noch häufiger künstliche kleine Grotten, die auch als Wohnungen, Ställe, Vorratskammern, Getreidemagazine, Gräber benutzt werden. In Palästina wie im übrigen Syrien, in Algerien und Tunis fällt dem weit verbreiteten Narigestein, wie zuerst Auhagen*) erkannt hat, eine große, ganz ungeahnte Nolle bei der Kultur tiefwurzelnder Bäume und Pflanzen zu. Ueber dem Nariboden gedeihen Oelbäume, Feigenbäume und Mandeln, aber auch der Weinstock Lei verhältnismäßig sehr geringer Pflege und zeitigen die schönsten Früchte, obwohk diese Kulturpflanzen während des ganzen Sommers nicht bewässert werden. So sind diese ganz gebirgigen, steinübersäten Abhänge mit ihren scheinbar nackten Narifels- Lberzngen und ohne jede Ackerkrume, was man garnicht für möglich halten sollte, gerade vorzüglich geeignet für Bank-m Weirrkulturen. In ganz einsamen Gegenden, die jetzt trostlos steril aussehen, trifft man noch manchen starken alten Oelbaumstumpf als Zeugen einer besseren Vergangenheit. Diese Bäume und der Weinstock ziehen eben ihre Nahrung fast gar nicht aus der Oberfläche des Bodens, sondern aus der Tiefe des Gesteins, wo siö auch ihren Wasservorrat finden. In den Lücken und Spalten, von denen das Gestein durchsetzt ist und die vielfach durch alten Pflanzenwuchs entstanden sind, findet sich der fruchtbarste Boden., Die gebirgigen Gegenden sowie auch die Ebenen mit Nariünterlage sind deshalb in erster Linie ausgesprochenes Baumgarten- und Weinbergsland und Können noch viel mehr in dieser Richtung ausgenutzt werden, als es bisher geschehen. *) Beträge zur Kenntnis der LandeSnatur und der Landwirtschaft Syriens. Bericht über Land- und Forstwirtschaft im Auslande mitgeteilt vom Auswärtigen Amt, Berlin SW. 1907. 160