Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Roterde ist der typische Boden der verkarsteten nördlichen Mittelmeergebirge in der Zone der immergrünen Laubhölzer nnd der VegetationSformation der Macchien mit trocknem, herbem Sommer und. kühlem, nicht kaltem Winter, also in Gegenden mit ariden Bedingungen in der warmen Jahreszeit und humiden in der Winterzeit. Ihr Charakteristikum ist die ziegelrote bis braunrote IcnchtendexFarbe und der Mangel an reduzierendem Humus. Es sind Tone oder Lehme reich an Eisenoxyd oder rotgefarbten kolloiden Eisenhydroxyden, aber ohne Eisenkonkretioneu. In Palästina erscheint Roterde mit besonderer Vorliebe auf widerstandsfähigen,, rauben, dickbankigen, nicht ganz reinen Kalksteinen, wie Dolomit, Kieselkalk, Hornstein, und auf Feuerstein, ferner auf vulkanischem Boden, z. B. im südöstlichen Galiläa und im Hauran, hier in besonderer Fruchtbarkeit wohl infolge des Gehalts an Alkalien. An den steilen Abhängen geht die Roterde in die weniger angenehme, harte, rote Brekzie über, die aber nur mehr fleckenweise die Felsen überzieht. Der geringste Boden ist gewöhnlich der helle Boden von flachgründiger, humnSfreier Beschaffenheit. An alten, eingeebncten AnfledlungSstätten bekommt er einen grauen Ton durch Beimengungen von Schutt, Asche, Knochen nnd Tonscherbenstucken und kann dann unerschöpflich fruchtbar werden durch seinen Gehalt an Kali, Phosphorsäure und Salpeter. Von größter Bedeutung für die Beurteilung des palästinensischen Bodens und deffen Kultivierung ist eine für uns Europäer fremdartige Bodenerscheinung, für die ich zuerst nach dem Jerusalemer Sprachgebrauch den Namen Nari allgemein eingeführt habe Dies Wort hängt zusammen mit nar----- Feuer und soll soviel wie feuerfest bedeuten, indem das Gestein am Feuer erhärtet bezw. widerstandsfähig - bleibt, weshalb e8 zu FeuernngSanlagen, Herden, Backöfen und Schornsteinen Vcr- ' Wendung findet. Der Nari ist eine quartäre bezw. rezente Oberflächenbildung und! überzieht die Gehänge in einer Stärke von xl4—2 m unabhängig von der Schichtung der unterliegenden Gesteine.. Er besteht im wesentlichen aus Kalk mit eingeschlossenen i scharfkantigen Trümmern der Oberflächengestcine, insbesondere auch des Feuersteins, und ist durchzogen von harten Adern aus Kallspath. Die kalkige Grundmaffe ist ' hervorgegangen aus dem Kalk der jeweiligen Unterlage, der sich teils aus der Bodenfeuchtigkeit abschied, die bei der intensiven Verdunstung kapillar an die Oberlfläche emporstieg, teils aus den Regenwäffern, die der; Boden änfweichten und als Schlamm enthielten. Die Beschaffenheit des Narr ist in gewissem Grade abhängig -von der Unterlage. Ueber der blendend weißen, fast eisenfreien Senonkreide bleibt -auch der Nari weiß; sonst ist für ihn ein schwach fleischroter oder schmutzig hellroter dis bräunlicher Ton charakteristisch, hervorgerufen durch die Beimengungen von Menoxyd. Eigentümlich ist ferner die unebene, wellig höckerige Oberfläche des Mari mit ihren rundlichen Änfwölbungen, über denen der. Fußtritt nnd Hammer- Schlag hohl klingt. P In ihrer Verbreitung ist die Kalttruste an zwei Bedingungen gebunden, zunächst an ein Klima mit seltenen, yber relativ heftigen Niederschlägen und intensiver Merdunstung. So beschränkt sich diese Bildung auf die heißere Südhälste der subtropischen Klimazone, nämlich der AttaSländer, die ägyptische Küstenlandschaft Manul, Palästina und ganz Syrien; auch in Südmazedonien habe ich ihn beobachtet. Die zweite Voraussetzung ist ein leicht zerfallendes und verwitterndes kalkiges Oberflächengestein, wozu in Palästina die harten Kalke des Cenoman nnd Tnron meist nicht