Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht viel anders „erzogen" als alleinlebende. Die eigentlichen Anfänge der Erziehung sind dort zu suchen, wo der Nachkomme nicht wie früher durch Instinkt und bewirkte Nachahmung d:e Eigenschaften seines Baters von selbst erwerben konnte, sondern bewußt darauf hingelcitet werden mußte. Sei es, daß bessere Leberrsverhältniffe seine Fähigkeiten nicht so unbedingt zur Entfaltung zwangen, wie die ehemals ungünstigen Zustände seines Vorfahrens, sei es, daß durch das Gegenteil, durch Not, Entbehrung, Krankheit die Entwicklung der irr ihm latenten Kräfte gehemmt wurde — in beider; Fälle»; bedurfte es des Antriebs von außen, der die rudimentären Anlagen wieder auf die Höhe brachte, die der Vorfahr imre batte, und bit diesen; zum Leben notwendig schienen. Die erste Erzieh»;ng, von der »vir hören, ist wohl die der alten Perser (ich kann n;ich. auch irrer;, mir selbst ist nichts früheres bekannt): Reiten, Bogenschießen rmd die Wahrheit reden (so steht es »venigstens irr den Geschichtsbücher;;). Sicherlich hat es zu Zeiten der höchentwickelten Kulturen der Völker von Sumer und Akkad auch eine Erziehung in weiterem Sinne gegeben, doch wiffen wir nichts darüber, arrch vor; Aeg»)pter; ist nr;s nichts bekannt. Vermutlich war sie hier eine Erlernung des Waffengebranches und eine Einführung in die Schriftsprache rrnd die damals üblichen Maßs»)steme, außerdem die rrotlvendigen Standes- resp. Religionszeremonien. Mathematik und Astronomie »var den Priesterzöglingen Vorbehalte;;. Die Erziehurrg »var bei der Jnge»;d gleiche»; Standes wohl immer die gleiche. Irgendwelche große Au8»vahl der Mittel bestand nicht: Be; den Griechen war es ähnlich, trotz der Erweiterung ihres Jdeenkreises. Athletik, Körperkultur, Wäffenführnng, Le»)erspiel, etwas Mathematik und Philosophie. Dabei war für Sonderbestrebnrrgcr; »oie Bildhauerei oder Sangcstunde reichlich Ncurm gelaflen. Bei der; Römer»; »var cS rricht viel anders, r;ur daß hier die Erziehung mehr privat gehandhabt »vurde, und jeder in der Auswahl der „Pädagogen" den andern zu übertrumpfen suchte. Mit dem Verfall des römischer; Kaiserreichs verfällt auch die damalige Knlrur ttberhar;pt, und Italien ist nicht mehr der krrltr;relle Mittelpunkt, sonder»; Byzanz. Allerdings zerfiel auch Ostrom innerlich bald nach der; Gotcnkämpfeu irr Italien, auS denen es z»var politisch gestärkt und siegreich hervorgiug Von der Erziehung der byzantinischen AdelSklassen ist mir leider nichts bekannt, geschweige den»; vor; der im Volke. Ueberhaupt Hörer; »vir bis dahin und noch geraume Zeit nachher stets nur von der Erziehung der Jugendlichen der höheren Stände, also der Königsfamilie, der Söhne und Töchter vor; Grafen utib Fürsten, später auch der niederer; Lehnsleute urrd Ritter. Gute Queller; dafür liefert das Nibelungenlied, das um jerre Zeit herum (5. Jahrhundert) errtstarrden ist, wenn die Niederschrift arrch erst viel später geschah (10.—-12. Jahrhundert) und infolgedessen eine Anzahl Anachronismen aufweist. Die Erziehung unterscheidet sich kaum porr der voraufgegangener Epochen, mir daß sie sich die Erzielurrg hypertrophischer Muskelbildung mehr denn je zun; Ziele setzte. Auch von der Erlernung sagenhafter Zauberkunststücke wird uns berichtet, allerdings recht lückenhaft. Krimhild erlernte von ihrer Mutter, soweit ich mich entsinnen kann, etwas Naturheilknnde, bestehend aus einer Kunde der heilkräftigen Pflanzen nebst dazu erforderlichen Murmelsegensprüchen und Beschrvörunger;, -7aber arrch der giftigen- Gewächse. Letztere wirkten auch ohne Wunschformeln stark genug. Erst 3'/z Jahrhundete später beginnt man von seiten der Kirche und des Staates arrch um die Erziehung der unteren Klaffen des Volkes Sorge zu tragen. Schon vorher wird in den Klöstern Schreiben und Lesen gelernt, aber erst Karl der Große beginnt, das geistige Niveau 135