Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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sieht man die Türme von Konstanz. Am Horizont aber tauchen verschommen die Gipfel der Alpen auf. Die Berge von GlaruS und Uri winken herüber — so nah und doch so fern. Denn in ihrer Heimat herrscht Friede. — — * WormS. Von all den zahlreichen jüdischen Stätten der alten deutschen Kaiserstadt WormS ist doch der Friedhof die erhabenste. Hobes Gras, zum Teil über die Knie reichend, verdeckt einen Teil der alten Steine, von denen man die meisten erst in neuerer Zeit ausgegraben hat. Wege sind nicht vorhanden, überall Gras und Gesträuch. Sehen wir uns die Steine näher an! Neben dem sagenumwobenen Nabbi Melr von Rothenburg liegt sein Freund Alexander Ben Salomo Wimpfen, dahinter der Vater Rabbi Meirs, Rabbi Baruch, „der Gerechte". Zwölf Grabsteine erzählen von den 12 Vorstehern, die 1096 den Märtyrertod gestorbeu sind. Im „Rabbinerteil" liegen Rabbi Jakob Molin-Makaril, der nicht von Osten nach Westen, sondern von Norden nach Süden liegt, und um dessen Grab auf seinen Wunsch 4 Ellen frei bleiben mußten. Rabbi Moses Brod. Hirsch, Spitz und einige andere Rabbonim. Bekannt sind auch die Gräber des Juspa Schames, des Verfassers der Maaße-Nissirn-Bücher, in denen die jüdischen Sagen von Worms stehen, und des R. Chaim Bacharach. Der älteste Stein trägt die Jahreszahl 1044. Sicherlich gibt es noch ältere Steine, die man bisher nicht aufgefunden hat. Still und feierlich träumt er von der stolzen jüdischen Geschichte der Gemeinde Worms, der alte Jndenfriedhos. Gut Dörrhof b Rosenberg (Baden). Hans Friedenthal Der nächste polnische Jude Eine wahre Geschichte Marcus Rosenthal, Rabbi in dem kleinen Ballenstedt am Harz, saß über das Schachbrett gebeugt und führte .David, seinen Erstgeborenen, der mit heißem Kopf zu dem Vater aufsah, iii die Geheimnisse der Schachkunst ein. Doch hier müssen wir erst einmal einiges über unseren Rabbi Marcus einflechten. Woher er gekommen war? Nun, daher, von wo die Väter, Groß- oder Urgroßväter so vieler Inden in Deutschland und anderswo stammen: aus Polen. Und wenn Ihr erst hört, daß er in K ali sch geboren ist, so wird mancher von Euch noch schnell eine Verwandtschaft mit ihm herausrechneu. Doch dazu erzähle ich das nickst. Mit 13 Jahren, bald nach der Barmizwah, hatte Marcus Kalisch verlassen, war von Jeschiwah zu Jeschiwah gewandert, hatte sich ein großes talmudisches Wissen erarbeitet und dann in dem kleinen Harzstädtchen Ruhe gefunden. Hier sponn sich der grüblerische Mann mit dem zierlichen, fast knabenhaften Körper und dem auffallend scharf geschnittenen Kopf immer mehr in seine Gedankenwelt ein, in der neben dem von früh bis spät geübten „Lernen" mit noch das Schachbrett existierte. In Ballenstedt hatte er geheiratet. Rebekka, seine Frau, war aus einer Familie, die im Gegensatz zu der des Marcus seit vielen Generationen in Deutschland lebte, ein Stammbaum führte auf jene rheinischen Judenfamilien zurück, die von den Mordgesellen des ersten KrenzzugeS soviel zu leiden hatten. Rebekkas Familie war m