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Blau-Weiss-Blätter · 1919-04-01 · 5 (4.1919) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
5 (4.1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Arbeitsbienen ans zwölftausend Fühlfäden und fünftausend Geruchshöblen bestehen. Daß stc sich nicht nur über ihre gewöhnlichen Arbeiten verständigen, sondern daß auch Außergewöhnliches Platz und Namen in ihrer Sprache hat, das geht daraus hervor, daß jede gute ober böse, gewohnte oder überuatürliche Nachricht sich durch den Bienenstock verbreitet, z. B. Verlust oder Wiederkehr der Königin, Eindringen eines Feindes, einer fremden Königin, Nahen eines Ränberschwarms, Entdeckung eines Schatzes usw. Das Benehmen und die Töne der Bienen sind bei jedem dieser Ereignisse so verschieden, so charakteristisch, daß der gewiegte Bicnenwirt »N7 schwer errät, was Ln dem kribbelnden Dunkel des Bienenstockes vorgeht. (Schluß im nächsten Heft). Mder aus meirrem Fahrtenbuch Odenwald. Ein herrlicher warmer Maientag neigte sich seinem Ende zn. Bo» Striimpfclbrnnn her, wo man Erinnern »gen an den voriährigc» Bundestag feierte» hatte» wir Ernstthal erreicht nnd schlüpften »u» ins Stroh. Milde wie wir waren, ichlicfc» wir auch sofort ei». Des Nachts war es mir im Halbschlaf, als ob es mächtig kalt geworden wäre. Die Kälte macht mich vollends wach, und frierend fühle ich, wie durch die Scheune eisige Windstöve ivehcn. Näher an Gefährten E. L. heranriickend nnd tiefer ins Stroh kriechend suche ich, so gut e» geht, mich zil wärmen. Bald schlafe ich wieder. Beim Morgengrauen verlassen wir mit einem kühne» Entschlnü nnscr Lager — und glanbe» zu träume». Während im Tal die Wiesen in lachendem FriihlingSkleid daliegen, sind die Berge mit ihre» Wäldern tief verschneit. Eil« Bild wie aus einem Märchenbuch. — In der Nacht hatte die Witterung umgefchlage», eine Kältewelle hatte den Schnee mitgebracht, der wohl auf bei« tief eingebettet liegenden Wiesen wieder geschmolzen, auf den Berge» dagegen liegen geblieben war. — Das war eine seltene Wanderung! An blühende» Klceäckcr» nnd in voller Bliitenpracht prangende» Kirschbänmen vorbei hinauf in die Berge, hinein in den Winterwald. Zwei Rehe brechen erschreckt durch da« Unterholz, das; der Schnee von den Zweige» stäubt» ein paar Krähen beklage» sich krächzend über den Schnee, während au« dem Tal das Glockengeläut der Kühe ertönt, die zur Weide getrieben werden. — Seltsame Laune» der Natnr. — »I« Hohentwiel. Steil ans der großen Bodensee-Ebcne cmporragcub erhebt sich der Hohentwiel. Habt Ihr schon einmal Scheffels „Ekkehard" ßclcfcu'{ Nun, dann werdet Ihr ja den Berg mit der stolzen Burg auch kennen. Ich hätte lieber Burgruine sagen sollen. Denn nur Mauern und Gewölbeunter- und oberirdische,; zeugen von der „entschwundenen Pracht".. Aber noch jetzt staunt man ob der Großartigkeit und Zweckmäßigkeit der Burganlagen. Wir blicken hinab ins Land. Weit breitet sich vor iui£ der als fruchtbar berühmte Hegau ans. Im Norden erheben sich die burggekrönten Berge Hohenkrähen, Staufen- Stoffeln, Hohenhöwen und Mägdeberg. Zm Südosten liegt zu Füßen des Hohentwiel Singen, ein reizendes Städtchen, das uns ebenfalls durch Scheffel vertrant ist. Nnd dann breitet sich dahinter der Bodensee ans, wie ein Meer im Dunst verschwimmend; deutlich 181

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