Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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einen langen, engen Gang bildete, und mm sieht er sich in einer Wohnung, die turmhoch ist und deren Dach sich im Finstern verliert. Oder, um uns in sein gewöhnliches Erstaunen zu versetzen: er war seit Jahrhunderten daran gewöhnt, unter dem Strohdach unserer ländlichen Bienenwohnungen zu Hausen, und mm sperrt marl ihn in eine Art Wandschrank oder großen Kasten, der drei- oder viermal größer ist als sein Elternhaus, in ein Durcheinander von Nahmen, die bald parallel, bald sellkrecht zum Flugloch übereinander hängen und alle Wandflächelr des Baues mit einem Netz von Gerüsten bedecken.. Und doch gibt es feinen Fall, wo ein Schwarm die Arbeit verweigert hätte, wo er sich durch die Seltsanlkeit der Umstände hätte verwirren oder entmutigen lassen, vorausgesetzt, daß die ihm dargebotene Wohnung nicht schlecht riecht oder wirklich ullbewohnbar ist. Aber selbst in diesen: Falle tritt keine Entmutigung und Bestürzung oder Pflichtverletzung ein: der Schwarm verläßt dann einfach die ungastliche Stätte und sucht sich . anderswo etwas Besseres. Ebensowenig läßt sich sagen, daß nuut die Bienen je habe veranlassen können, eine sinnlose oder unzweckmäßige Arbeit zu verrichten. Man hat nie festgestellt, daß die Bienen den Kopf verloren und nicht' gewußt hätten, welchen Entschluß sie fassen sollten, daß sie planlose, mißratene oder überflüssige ^Bauten unternommen hätten. Man schüttle sie in eine Hohlkngel, einen Trichter, eine Pyramide, einen ovalen oder eckigen.Korb, eine Röhre oder eine Spirale,' und man besuche sie einige Tage später, vorausgesetzte daß sie die Wohnung angenommen haben, so wird man sehen, daß diese seltsame Vielheit von kleinen, selbständig benfciibeu Köpfen sich unmittelbar geeinigt und nach einer Methode, deren Grundsätze unwandelbar, aber derer! Folgen lebendig sind, den günstigsten und oft den einzig brauchbaren Punkt der sonderbaren Wohnung ohne Zaudern gewählt hat. . Wenn man sie in einen der obengenannten großen Kastenstöcke bringt, so beachten sie die darin befindlichen Rahmen nur insoweit, als. sie ihnen zum Ausgangs- und Stützpunkt Leim Bau ihrer Waben dienen, und das ist schließlich auch ganz verständlich, da die Wünsche und Absichten des Menschen ihnen ja gleichgültig sind. Wenn der Bienenzüchter aber den oberen Rand einiger Nahmen mit einem schmalen Wachsstreifen versehen hat, so begreifen sie sogleich den Vorteil, der m dieser angefangenen Arbeit liegt, bauen den Streifen sorgsam aus und führen den angedenteten Plan mit eigenem Wachs zu Ende. Desgleichen — und der Fall tritt bei dem intensiven Betriebe von heute häufig ein — wenn alle Rahmen des Stockes, in. den man den Schwarm eingeschlagen hat, von oben bis unten mit angefangenen Kunstwaben bedeckt sind, so fangen sie keinen Zeit und Wachs vergeudenden Neubau an, sondern sie nehmen die Gelegenheit wahr, das begonnene Werk weiterzuführen, und bauen die eingeprcßten Zellenansätze bis zur Normaltiefe fertig, wobei sie übrigens an Stellen, wo die künstliche Wabe von der haarscharfen senkrechten abweicht, ihre Korrektur vornehmen. Änf diese Weise besitzen sie in mehr als einer Woche eine ebenso prächtige und wohlgebaute Stadt, wie die eben verlassene, während sie, auf sich allein angewiesen, zwei oder drei Monate gebraucht hättenum dasselbe Gewirr von Speicherräumen und weißen Wachshänscrn anfzpftthren. , ‘ . . Dieses Anpassungsvermögen scheint die Grenzen des „Instinkts" doch merk- 'sich zu überschreiten. Ucberdies ist .nichts willkürlicher, als dieses Unterscheiden;•