Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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gekrabbel, das sich nach für nnS unverständlichen Gesetzen vollzieht, läßt auf Leben und Ordnung im Innern des Hügels schließen. — Doch wir nehmen die Wanderung wieder auf. .Im Gänsemarsch geht es auf dem schmalen Fahrradwege dahin. Die Schar der Wanderer folgt den kleinen Krümmungen, den weit und träge ausholendcn Biegungen unseres Weges; hier nnd da verschwindet einer hinter den Bäumen, oder ein anderer hält die Gesellschaft auf, weil er eine Schmetterlingspuppe an einem Stamm entbetft hat. Das kleine Ding hat sich mit ganz feinen, glänzenden Fäden selbst am Baume festgebnnden und hält so seinen Winterschlaf: künftiger schönerer Entfaltung entgegen. — Da wird unser Weg geschnitten von einer schnurgeraden Linie, die sich durch den Wald zieht. Da sind nur die Bäume in geringer Breite abgeschlagen, der Waldboden ein wenig geebnet, und so entsteht die Schlleise, läuft immer geradeaus, bis der Blick sie verliert. Rechtswinkelig dazu, in gleichen Abständen, kreuzen sie andere. Die von vier Schneisen begrenzten regelmäßigen Waldstücke heißen Jagen. Das ist die Einteilung des Waldes, die sicherste OrientrernngSmöglichkeit. Uns hier fühlen wir uns ganz iit des Waldes Bann, ganz einsam, ohne den Anklang an das Draußen, das der Weg mi8 lebendig macht. Wer, ohne sich zu verirren, ganz in der Waldeinsamkeit wandern, den Wald betrachten, nid)t durchlaufen will, für den ist das der beste Ausweg. — An der Kreuzung zweier Schneisen stehen Steine mit Zahlen und Buchstaben; und wer es gelernt oder vielmehr wer mur einmal gefragt hat, kann mit Hilfe der Karte den Ort bestimmen, auf dem er sich befindet. Wegweiser sind unerlaubte Hilfsmittel. — Wie ist nun aber Dämmerung und Nacht im Waldes Wie steht er da aus, und wie finden wir uns dann in ihm zurecht? — In hellen Mondnächten ist der Wald zerschnitten wie von unzähligen Zebrastreifen. Der scharfe Mondschatten der Baumstämme bringt das hervor. Und da, wo der Mond steht, da glitzert es und stichts in die Augen, die scharfen Mondstrahlen, die in dauerndem Wechselspiel her- . vortrcten nnd wieder hinter Stamm und Blättern verschwinden. In Bollmondnächten kann man auch Uhr nnd Kompaß im Walde erkennen, aber während der Mondzeit zum mindesten gehört die Taschenlampe auch zu den unerlaubten Hilfsmitteln. — Es gibt aber auch Nächte, wo eS so finster ist, daß man nichts, aber auch garnichts im Walde sehen kann. Und gerade dann reizt es uns, in dieses Dunkle, Ungewisse, Formlose hineinzutreten, Gehör und Gefühle zur einzigen Richtschnur zu machen. Da heißt eS aufpassen, denn wer sich in solcher Lage verirrt, der kann sein müdes Haupt ruhig unter den nächsten Baum legen; selten genug nützen Karte und Taschenlampe etwas. Da müssen unsere Füße eine neue Funktion ausüben: die des Fühlens nnd Tastens. Waldboden ist weicher und unebener als Wegboden, und die Aeste knacken häufiger, das Gras raschelt stärker im Walde als auf dem ' Wege. Der erste Schritt zur Böschung Herauf mnß beachtet werden. Wenn er erst erfolgt ist, kann es übel ablaufen. Doch bei aller Vorsicht erweist sich doch manchmal der Baumstamm als härter und fester als unser Schädel; im Moment dieses Zusammenpralls weiß mau allerdings sicher,- daß man nicht mehr auf dem Wege ist. Das stärkste Mißtrauen habe der Wanderer auch dem schönsten und beständigsten Licht gegenüber, das durch den Wald schimmert: der Schein leuchtet weit, und Gräben, Sümpfe, Einschnitte, beackerte Felder und Zäune sind in der Nacht schwerer zu überwinden, als am Tage. — — m