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Blau-Weiss-Blätter · 1919-04-01 · 5 (4.1919) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
5 (4.1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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EinzeltonL gegenüber dem Ganzen zn empfinden, so wird auch im Walde der den tiefsten Eindruck empfangen, der mit dem Verständnis für den Züsammenklang jener überirdischen Musik ein feines Ohr für die vielen verschiedenen, in ihrer Besonderheit reizvollen Stintmen besitzt, die das Konzert zustande bringen. Nicht nur die vielen Einzelstimmen der Vögel, die hier Mitwirken, bilden den Chor (wer möchte die beschreiben — nur hören kann man sie), sondern viele kleine scheinbar unbedeutende Nebengeräusche kommen hinzu, die der aufmerksame Wanderer als ebenso zugehörig empfindet wie all jenes Pfeifen, Schluchzen, Flöten, Krächzen, Pieper» der kleinen und großen Vögel. Da mag znm Beispiel einmal auf einer Rast nicht gesprochen werden: tiefe Stille herrscht ringsum . . . aber von Zeit zu Zeit tackt es laut schallend wie ein fester Stock auf Neso»»a»»zbodeu -- das ist der Star, der sich im Holze der Bäume Würmer zur Nahrung sucht. Da fliegen die kleinen Nindenstückchen auf die Erde, es schlägt schürfend gegen die Bäume und klappt leise auf die glatte, glänzende Nadelschicht des Kiefernwaldes. Oder cs schabt und schurrt zwischen den Bäumen, kleine Aeste knacke»», zuweilen stiegt ei»» Stückchen hoch; u»»d wenn wir leise sind und uns nicht rühre»», so läßt sich das ir» geringer Entfernung äsende Nudel Rehe drrrch uns nicht störe»». Doch einer von uns kann es sich doch nicht verkneifen, ein überraschtes „Sieh doch n»al" ausznrufen — und auf ein Zeichen des Bockes tobt alles davon, die Aeste knacken ltnb prasseln, und die ganze Herde stürmt dahin, mit unnachahmlicher Grazie durch die Bäume sich »vi»»dend. Doch als die wahrhafteste und crhabe»»ste Musik des Waldes erscheint uns das Rauschen der Bä»rrne an windbe»vegten Frühlingstage»». Wer auf Wanderungen an der See Frühlingstage erlebt hat, au denen der Seelvind durch die Bäume zieht, wird »vissen, wie das Rauschen der Baumkronen, das Aechzen und Knarren der Stämme die große und erhabene Symphonie des Waldes zusta»»de bringt. — Aber wie laufen »vir denn nun eigentlich in» Waldes Es ist doch nicht so, daß wir in Träumerei versunken querdurch oh»»e Weg ltnb Ziel herumstreifc»», sondern »vir wissen, daß Karte und sonstige Orientierung dazu gehöre»», sich zurechtzufinden, Und es zeigt sich, daß Waldweg und Sch»»eise garnicht »mr das notwendige Nebel sind, das »»ns Verkehr und Abendzug anfzwinger», sondern daß auch sie zum Aussehen des Waldes gehören so gut wie die einzelnen Bäurne, das Moos, die Blaubeersträucher und das fanlende Lar»b auf dern Boden. Von der La»»dstraße, die den Wald zerschneidet und die der Finger der A»»ßenwelt, der Stadt, iu der Natur ist, will ich schlveigen; sie ist r»nser Klotzinstrument und der Ausdruck des Naturempsindens ft'ir staubaufwirbelnde Ehausseeschlv—. Doch mitten heraus aus dem Walde treten wir * auf einen Fahrweg. Breit und behäbig zieht er sich in Krümmungen. durch den Wald, die hohen Bänme überschatten ihn fast ganz, r»ur zur Mittagszeit läuft ein scharf abgeschnittcner Sonnenstreif an der einen Seite entlang. Tiefe Fahrsp»»ren graben sich i»» den lockere»», dem Gehen lästigen Sand ein. Hier, auf leichtem Boden, »st das Feld für unzählige Maulwurfshügel. Am Rande des Weges, in der wenig überragenden Böschung, sehen »vir Löcher für Fuchsbarrter», die irgendwo im Walde ihren zweiten Atrsgang haben. Häufiger als zwischen den Bäumen türn»en sich am Wegrand Ameisenhttgel, diese unendlich kunstvottcn und bewurrdenrngSrvürdigen Bauwerke. Auf Sanduntcrgrnnd häufe»» die kleinen Tierchen Schichten von glatten, langen Kiefern- oder Tannennadeln, schön symmetrisch kegelförmig verläuft der Bau; und ein ewiges, emsiges Hin- und Her- 125

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