Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Tiefinnerstes Glücksgefühl wird nnr der aufbringen, welcher in der Lage ist, allein seelisch ohne jede intellektuelle Betrachtung diese große Stunde im Leben unseres Volkes zu erfassen. Wir, die jüdische Jugend, sind dazu in der Lage: Der Frühling ist unser Element, Winter und Wintersorgen haben es nicht zuwege gebracht, dieses natürlichste Gefühl in uns zu ertöten. Wir spüren die Fähigkeit in uns, auS dieser großen übermächtigen Freude heraus an die Arbeit zu gehen. Denken wir einmal daran: Nach 2000 Jahren beginnt die große Rückwanderung ans dem Exil. So wie Kyrus den Juden die Rückkehr gestattete, steht uns heute der Weg in unser Land wieder offen. Alles liegt jetzt an unSl Gewiß ist es nicht zu leugnen, daß das Galuth uns seine Spuren aufgedrückt hat, wir sind nicht mehr da8 landsässige Volk von ehemals. Aber wir wissen, daß Energiecn in uns aufgespeichert sind, Kräfte, die 2000 jährigem Ansturm getrotzt haben; wir haben den Mut, an unsere Zukunft zu glauben. Wer von den Nnsrigen aufs Land geht, um zu lernen und Bauer zu werden, tue cs mit innerer Freudigkeit und ganzer Hingabe für seine Arbeit. Sie vollständig zu erfüllen und nuferem Volke zu nützen, ist nur möglich, wenn Liebe für den Beruf, Tüchtigkeit der Leistung, Ausdauer und Zuverlässigkeit unsere Leute auszeichnet. Aber wo man auch diesen Maßstab anlegen mag. ob an den landwirtschaftlichen oder an irgendwelchen anderen Beruf, vor allem kommt es daraus an, ob utifcre Einstellung auf das Geschehen der Welt eine andersartige neue geworden ist. Nur dam: kann sich unser Schicksal erfüllen. Solche Menschen zu schaffen gilt es inr Blau-Weiß. Wir dürfen nicht mit uns zufrieden sein und auf das pochen, üias schon geschehen ist, sondern müssen immer vorwärts streben: die Sehnsucht im Herzen. Aus großen Ereigniffen Kraft zu neuen Taten zu finden, ist eine hervorragende Eigenschaft der Jugend. An uns liegt es, uns die Fähigkeit des Erlebens zu erhalten. Ja, darauf kommt e8 schließlich für uns in der Hauptsache an: die Seele empfänglich zu erhalten für alles Große und Schöne, was auf sie ein stürmt. Stumpfheit dem Erleben und Leben gegenüber und Wertung der Welt rein nach Zweckmäßigkeitsgründen ist Galuth. Selbst wenn wir den Willen aufbrächten, den äußeren Schwierigkeiten zu trotzen, wenn uns alle Mittel zu Gebote ständen, unsere Aufgaben zu lösen, wir brächten es nicht zustande, wenn uns die Fähigkeit abginge, das wahre Leben zu erfassen und neu zu werten. Aus unserem Wandern, auS unserer Gemeinschaft schöpfen wir Kraft, das Leben stets von neuem erleben zu können. Der Frühling und Palästina lassen gleiche Saiten in uns erklingen: Der Frühling wird neues Leben bringen Und Leiden und Knechtschaft niederzwingen. ES sproßt und grünt ein neuer Lebensmai: Hedad. Hedad! Auf! Unsre Bahn ist frei. Berlin Hans Oppenheim 114