Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 5 (4.1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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April 1-19 Jahrgang 6 ^«ft 5 Frühling Denn siehe, der Winter ist vergangen. Der Regen ist weg und dahin. Die Blumen zeigen sich im Lande, Die Zeit ist gekommen, den Weinstock zu beschneiden. Und der TnrLeltanbe Ruf läßt sich in unserem Lande hören. Der Feigenbaum — schon reifen seine Früchte, Und die Neben, irr Blüte, verbreiten Dust. (Hohelied.) Jüngst ging ich mit einem Freunde über Land. Ein grauer Winter lag hinter uns, und auch noch vor ganz wenigen Tagen hatten Felder und Wälder unter einer weihen Schneedecke verborgen gelegen. Mir war zu Mute, als ob ein Reifen zersprang, der um meine Seele geschnürt war. Primeln und Veilchen am Wegesrand, gelbgrüne, frühlingsjnnge Grasspitzen, zarte.knospen an jedem kleinsten Strauch und Baum — und Sonne, Somle, rechte warme Frühliugsfonne: ich muhte querfeldein laufen und schreien und singen. Unterwegs trafen wir arbeitende Bauern, Frauen und Männer. Für sie war heute Werktag, denn die Frühjahrsbestellung macht schwerste Arbeit. Ihre Rücken waren über den Boden gebeugt, und sie fanden nicht einmal Muße, uns Vorübergehende zu betrachten. Die kräftigell Gestalten sielen uns auf, und plötzlich fragte mein Begleiter mit leisem Zweifel im Tone: „Werden unsere Bauern in Palästina auch einmal so sein?" ... Droben im Dorfe lag die Sonne fast schattenlos in den Straßen. Die Hühner gingen glucksend ihrer nahrungsuchenden Beschäftigung nach. Ein altes Mütterchen schob einen Karren, der schwer mit Sachen beladen war, vor sich hin, und das Rad drehte sich ächzend. Sie war mindestens 60 Jahre alt; Wind, Wetter utib Zeit hatten zahllose tiefe Runzeln und Fältchen aus ihrem Gesichte eingezeichnet. Wieder fragte mein Begleiter: „Werden unsere Bauern in Palästina auch einmal so sein?" ... Wer weiß das und kommt es darauf allein an? — Jungen und Mädchen im Blau-Weiß, für unser Volk hat der Winter aufgehört, der lange, lange Winter, und sein Frühling hat schon angefangen. Habt ihr geschrieen und gejubelt, habt ihr Frendenfeuer auf euren Fahrten gezündet, habt ihr den 27. Februar, den Frühlingsbeginn, erlebt? Ist euch das Herz übergeflossen vor Glücksgefühk über diesen Augenblick der Wiedergeburt? Zion wird unser, der Tag der Freiheit ist da! Wir haben eS nicht mehr nötig, die grauen Stunden der Nacht und der Dunkelheit zu zählen: Die Sonne der Freude und des Glückes leuchtet uns schon heute! Wir dürfen und solle« uns dem Taumel der Seligkeit über die Gegenwart hingeben; denn darinliegt iml> baraud .entfpririgt bte;8räft iut^Xot ' ' m