Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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den Augen auf göttliche Eingebung auch die Worte von seinem Tode. Auch die Eigentümlichkeit, daß der Gottesname in zwei Formen austritt, erklärt Mendelsohn im 2. Kapitel Satz 4. Elohim sei die Bezeichnung Gottes, der den Maßstab des Rechts stets anlege, während der vierbuchstabige GotteSname andeute, daß er den Maßstab der Milde walten lasse. Es ist interessant, zu verfolgen, wie sinnvoll diese Bezeichnungen wechseln, bisweilen im selben Satz nebeneinander stehen. Darauf weist auch Rasch! hin schorr im ersten Satze seines Kommentars.« Naschi, der im 11. Jahrhundert in Worms lebte, schrieb eine Fülle von Erklärungen zur Bibel nieder, die gestützt sind auf Talmud, Midrasch oder anderen Stellen der Bibel Er gibt häufig referierend die Ansichten von verschiedenen Gelehrten wieder.*) Viele Behauptungen Nessenbergs sind recht haltlos,, wie der Vergleich babylonischer Götter mit dem Speerkämpfer Saul und dem bogenspannenden Jonathan ES ist doch selbstverständlich, daß man sich früher dieser Waffen bediente, wie jetzt des Maschinengewehrs und der Kanone. Auch die Feststellung, daß daS „berüchtigte" „Auge um Auge, Zahn um Zahn" feine Gültigkeit verloren habe, weil sich die jüdische Ethik höher entwickelt habe, ist stark zu bezweifeln. DaS jüdische schriftliche Gesetz ist nur in Verbindung mit der mündlichen Uebcrlieferung, die ja später auch nicdergeschrieben wurde, wissenschaftlich zu interpretieren und praktisch ausführbar.. Die Pharisäer bekämpften die Sadduzäer zur Zeit der Makkabäer-Könige, weil die Sadduzäer das geschriebene Gesetz ohne die mündliche Lehre zur Geltung bringen wollten. Nach dieser allgemein gültigen Norm ist auch der Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn" seit ältester Zeit in der jüdischen NechtSpraxis angewandt worden. Also kann man wohl nicht von einem durch jüdische Denker später vergeblich hineingelegten Sinn reden» Breslau Lucie Kober tl. Offen gesagt, der Aufsatz von Neiffenberg hat mich geärgert. Ich will solche Themen durchaus nicht vermieden wissen, aber Neiffenberg ninnnt die Sache doch zu leicht. Was er da von des fünf Büchern Moses schreibt, das ist sehr bequem» Und ich fürchte, manche, die kein Wort der Bibel kennen (Anm. d. Schriftl.: Solche Blau-Weiße wird es wohl kaum geben), werden dies — und noch anderes in N.s Aufsatz — hochbeglückt in ihren Schlagwörterschatz aufnehme»?, um e8 ihren Bekannten bei Gelegenheit an den Kopf zu werfen. Die Dinge liegen »virklich nicht so einfach, wie sie Neiffenberg bei den wenigen Quellen, die ihm im Feld zur Hand sind, Vorkommen müssen. Es ist so gut »vie nichts von seinen Angaben wissen» schastlich feststehend. Z. B. die hübsche Geschichte von den babylonischen Motiven der Saul-Jonathan-Goliath-Erzähluttg. ES ist brenzlich, Astralrnythen in irgend eine Geschichtsdarstellung hineiuzulescn (Napoleon ist doch anch schon als Sonnenmythns erklärt worden). — In wissenschaftlichen VibclansgaLen wird man anch schwerlich etwas von den Hymnen des Pharao Amenophis lesen. Mit Recht. Meines Erachtens jedenfalls hat Pindar mindestens ebensoviel Verwandtschaft mit unseren Psalmen, als baö trocfcstc ädii^tifd}e Scug^ baö JRetffcuBerß Anders liegt eS mit den babylonischen Einflüssen auf Gesetzgebung und Schöpfungsgeschichten der Bibel. „Auge um Auge, Zahn um Zahn" steht »virklich im Hammu- 103.