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Blau-Weiss-Blätter · 1919-02-01 · 4 (2.1919) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
4 (2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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T Alter von mehr als hundert Jahren und zwar, wie ich glaube, gerade infolge ihrer einfachen Lebensweise und strengen Sitte. Indes setzen fie sich auch über die drohendsten Lebensgefahren hinweg und trotzen in ihrer Seelengröße allen Peinen, ja sie würden einen stlod, der in ruhmvoller Gestalt an sie herantritt, selbst einem unsterblichen Leben vorziehen. Hat ja gerade der Krieg mit den Römern in jeder Beziehung ihren LebenSadcl aufs glänzendste dargctan, da sie hier von den Folterfchrauben gestreckt und gewunden, ihre Glieder gebrannt und gebrochen, und alle Marterwerkzeuge der Reihe nach an ihnen versucht worden sind, um sie entweder zu einer Schmähung des Gesetzgebers oder zum Genuß einer regelwidrigen Speise zu zwingen, ohne daß sie sich jedoch zu einem von beiden verstehen wollten,' ja sogar, ohne daß sie den Peinigern vorjammcrten oder eine Träne vergossen. Im Gegenteil, sie lächelte» noch bei ihren Qualen und spotteten nur über jene, die ihnen die Folterwerkzeuge ansetzten, und gaben so mit freudigem Mut ihr Leben hin, in der sicheren Hoffnung, eS wieder zu erhalte». Kai» und Adel Wie der Schatten entstand Kain war Bauer) und Abel weidete die Schafe. — Als es Sommer wurde und die Sonne heller schien, da war Abel sehr froh, denn er konnte auch des Nachts draußen sein im Palmenwalde und auf der Wiese. Da nahm er das jüngste Lämmchen, das so lustig war wie ein Vögelein, um es Gott dem Herrn aus Dank fiir die herrliche Sommerszeit zum Opfer zu bringen. Und er baute einen Opfertisch und legte das Lämmchen darauf. Auch Kain hatte Freude am Sommer, und er brachte reife Früchte Gott dem Herrn zum Opfer. Dem Herrn aber gefiel Abels Opfer besser als Kains, und die Flamme AbelS schlug hoch zum Himmel, während Kains Flamme sich 311 Boden senkte. Und sieh, hinter den beiden Flammen erschienen zu gleicher Zeit gleiche Weiber, alte häßliche Gestalten, die hatten statt Haaren Schlangen um den Kopf mit groben, zischelnden Zungen. Die beiden nickten einander zu; dann ging die eine zu Abel, die andere zu Kain. Doch Abel erkannte, daß dies die Sunde sei und griff nach ihr. Seine starke Hand warf sie zu Boden, und sein Fuß trat auf. ihren Nacken. Dabei sahen seine Äugen fort von der Sünde. Die lag nun besiegt am Boden und fürchtete zu atmen. Anders war es mit Kain. Die Sünde raunte ihm ins Ohr: „Sieb, Seine Flamme gebt herunter, und Abels Flanrme ist gerade. Er hat Dich verleumdet!" Kain hörte auf ihre Stimme, und es erfaßte ihn ein wilder Zorn. Seine Hand griff nach einem Klotze, der neben dem Opfertische stand, und er stürzte zu Abel hin, ohne zu wissen, was er tat. Hinter ihm aber stand die Sünde mit leuchtenden Augen und freudig erhobener Hand. . - Und Kain erschlug Abel. Da verfinsterte sich die Sonne, und der Mond ward traurig. Das Gras, auf das Abels Blut fiel, erzitterte, und die Blumen starben. Ringsum wurde es still, denn Kain ward starr vor Schreck und Entsetzen. Plötzlich klang in die tiefe Stille eine klagende Stimme: „Vater, mein Vater im 99

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