Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie sind Verächter des Reichtums und es herrscht ein ganz wunderbarer Geistder Gütergemeinschaft unter ihnen, sodaß man wohl niemanden bei ihnen alttrifft, der ein hervorragenderes Besitztum hätte. Denn eS ist Gesetz bei ihnen, das; alle, die in die Sekte eintreten, ihr Vermögen der ganzen Körperschaft opfern müssen, was zur Folge hat, daß man unter ihnen nirgends weder vom Elend der Armut noch von .'des Reichtums Überfluß etwas gewahrt, sondern, da das Besitztum eines jeden mit dem der übrigen verschmolzen ist, alle. Mitglieder, wie Brüder, nur ein einziges Eigentum zusammen besitzen. — Oel besudelt nach ihrer Anschauung den Menschen; wenn sich einer darum hat notgedrungen salben müssen, so wird der ^Leib wieder abgerieben, da sie große Stricke auf eine Haut halten, die nicht fettig ist, wie auch auf das beständige Tragen von Weißen Kleidern. Jene Personen, welche die Sorge um die gemeinsamen Güter auf sich zu nehmen haben, werden auf dem Wege der Wahl dazu bestimmt, und zwar wird jeder einzelne zu seinem Amte immer von der Gesamtheit gewählt. Sie wohnen nicht in einer Stadt beisammen, sondern es gibt iii jeder Stadt ihrer viele. Mitgliedern, die von anderwärts Herkommen, steht alles, was die Briider des betreffenden Ortes besitzen, ebenso offen, als wäre es ihr Eigentum, und die Ankömmlinge kehren ihrerseits bei Leuten ein, die sie früher nie gesehen haben, als wären sie schon lange mit ihnen bekannt. Aus diesem Grunde tragen sie auch, wenn sie eine Reise machen, außer den Waffen zum Schutze gegen Räuber, nicht das geringste bei sich.. In jeder Stadt wird ein besonderer Schaffner für reisende Bundesmitglieder ernannt, der ihnen Kleidung und alles andere, was sie benötigen, beizustellen hat. In ihrem ruhigen Wesen wie in ihrer ganzen äußeren Haltung erinnern sie an Kinder, die noch unter der Rute des Erziehers stehen. Sie legen nicht früher neue Kleider oder Sandalen an, bevor die alten nicht ganz zerfetzt oder durch langes Tragen total abgenutzt sind. Unter sich selbst kaufen oder verkaufen sie nichts, sondern jeder teilt das, was er vorrätig hat. mit dem, der etwas benötigt, und bekommt dagegen von diesem wieder, was er gerade von ihm brauchen kann. Auch ohne Gegengabe hat jeder Effäer von dem änderen, was er immer wünscht, sofort zu bekommen. > Was nun die Verehrung der Gottheit anlaugt, so ist diese bei ihnen eine ganz absonderliche. Vor Sonnenaufgang hört man von ihnen auch rächt ein einziges alltägliches Wort, dafür aber senden sie gewisse altererbte Gebete zur Sonne empor, als wenn sie dieselbe um ihr Erscheinen bitten wollten.. Ist das geschehen, so werden sie von den, Oberen entlassen, und geht jeder an seine Beschäftigung, die er gelernt hat. So arbeiten sie rastlos bis zur 5. Stunde, worauf sie sich abermals . an einem bestimmten Orte versammeln und, ein Linnentuch um die Hüsten gegürtet, sich den Leib mit kaltem Wasser abwaschen. Nach dieser Reinignngszeremonie kommerr sie alle wieder in einem eigenen Gemache zusammen, in welches keinem, der außer der Sekte steht, der Eintritt gestattet ist, während die Mitglieder selbst diesen Speisesaal nur im Zustande der Reinheit wie eilten Tempelranm betreten. Nachdem sie in aller Ruhe ihre Plätze eingenommen, kommt der Bäcker nnd legt einem nach dem anderen das Brot vor, während der Koch einem jeden noch ein Geschirr mit einem einzigen Gerichte vorsetzt. Vor dem Essen spricht der Priester ein Gebet, vor dem niemand etwas anrühren darf. Nach dem Mittagessen betet er wieder, um so am Anfang wie am Schlüsse der Mahlzeit Gott, dem Herrn, als dem Spender der Nahrung die Ehre zu geben. Nach dem Mahle vertauschen 96