Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Preiüfingeu. Die Sänger treten auf die Höhe des grünen Talkessels, unten lagert die Menge, die Mädels mit ihren leuchtenden Farben das Bild bestirmnend, und zieht sich rundum-in verstreuten Gruppen hinauf. Es wird ernst, doch mittelmäßig gesungen, viele Chöre haben gut studiert, aber nirgends höre ich wahre Leidenschaft durchbrechen. Langsam scheint sich bei den Berlinern ein Stil des hebräischen Liedes zu entwickeln, aber all zu deutlich spürt man wieder, wie die jiddischen Lieder immer mehr zurücktreten, wie ihr innerstes Wesen dem feineren musikalischen und menschlichen Gewissen der Jungens widerspricht. In malerischem Durcheinander, ein endlos langer Zug, schlängeln wir wfö durch Wald und Aecker auf vielen Wegen ins Dorf zurück. Nachschrift. . Ich erinnere mich jetzt, daß diese Blätter ein Brief für Dich sein sollen und erkenne zugleich, wie ihre impressionistische Kürze einer letzten Zusammenfassung bedarf, um Dir in einem tieferen Sinn etwas üoh dem eigenen Geist dieser Tage zu vermitteln. Ein immer gegenwärtiges Wunder war für mich die Beruhigung, die von der Gesamtheit ausging, wo ich doch ans Wanken, auf Sturm und äußerste Verwirrung gefaßt war. Die finstere Aussicht, das lebendige Werk am Untergang zu sehen, hatte in Allen ein letztes Maß von Unbedingtheit aufgerüttelt und so verschlossen die JnngenS — eben noch Geführte — ihre Not und ihren Drang still in der Brust und wurden Arbeiter mit strenger Forderung gegen sich selbst. Gemessen und ohne lauten Anspruch war dieser Bundestag und ganz dem ruhigen Sichstnden, Kennenlerncn und Vertiefen gewidmet; es fehlten die leidenschaftlichen Nachtfahrten und die revolutionäre Stimmung, das schwere Ringen mit immer neuer Problematik, all die bewegte Uugcnngsamkeit früheren Zusammenseins. Hier war man zum ersten Mal in reiner Freude des Erreichten zusammen und wahrhaft vereint, hier sprach man heiter und furchtlos von Scheidenmüssen, wußte doch Jeder: Wir stehen unerschütterlich, zu unbegrenzten Opfern weiter bereit. Ich hoffe, daß Du von der süddeutschen Tagung so hast fortgehen können wie ich von der ostdeutschen. Daß dieser Geist der Tat und nbernräßigen Hingebung immer mächtiger brenne und sich ausbreite, ist unsere — der Entfernten — reichste Hoffnung. Hcrzlichst Schalom! Dein G. S. Dar» Gerneinschaftslebe« der Gffiier Ans: Flavins Josephus / Der Jüdische Krieg, Buch ll, Kapitel 8. r- ES bestehen bei den Inder: 3 Arten von philosophischen Sekten: Die Anhänger der ersten heißen Pharisäer, die der zweüen Sadduzäer, die der dritten führen den Namen Essäer, da sie in der Tat auch im Nnfe einer besonderen Pflege der inneren Frömmigkeit stehen. Öbschon Juden von Geblüt, wie die anderen, hängen sie doch weit mehr aneinander, als das bei den übrigen der Fall ist. Sie fliehen die Vergnügungen als etwas Verwerfliches und sehen in der Enthaltsamkeit und in dem Widerstande gegen die Leidenschaften die wahre Tugend. 96