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Blau-Weiss-Blätter · 1919-02-01 · 4 (2.1919) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
4 (2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Aber hier ist eine Sandschicht und schwarze Erde. Nach solcher Erde beten wir und unser Arbeitgeber ärgert sich. Wir atmen freier, und die Arbeit schreitet fort von einem Mann znm andern. Wir stehen in einer Reihe in bestimmten Abständen, einer vor dem anderen, .und vom Ersten bis znm Letzten geht das Gespräch hin und her, wie durch ein Telephon. Jeder Witz, jedes Scherzwort geht mit Blitzesschnelle hin und her, von Mund zu Mund, von einem Kameraden znm andern. Man spricht auf diese Art und Weise über alle möglichen Ideen, vor allem Werdas, was uns Hauptsächlich erfüllt; über das „Bachar" und seine Helden, seine Schwächlinge und seine „Verräter", die die Prüfung nicht bestanden und daS heilige „Bachar" verließen, um es mit alltäglicher Arbeit oder noch Geringerem zu vertauschen ... Und beut höchstes Besitztum ist das Bewußtsein, Arbeiter zu sein, denn du stehst hier wie ein Held, der über alles regiert. Die Hacke gehorcht dir, der Lehm Zerbröckelt unter deinen Händen nach deinem Willen, die ganze Erde ist in deiner Hand. Du bist ihr Herr. M. WilkanSti' Morn SrbrätschleLnen Die Sprache ist das Material, in dem sich die Denkweise und die Gefühlswelt eines Volkes anSprägt und erhält, vollkommener als der Stein oder die Leinwand des Künstlers. Denn sie lebt und wird reicher, da alle Volksglieder schöpferisch an ihr Mitarbeiten, indem sie als Ausdruck ihres Denkens und Fühlensich ihrer bedienen.. Daher verlangt die Kenntnis einer Sprache mehr als die bloße Erlernung einiger Dutzend Vokabeln, die in dem meisten Fällen ein notdürftiges Frage- und Antwortspiel Zwischen Lehrer und Schüler ermöglichen. Wir v c r st ehen in Wahrheit eine Sprache erst dann, wenn wir die Entstehungsgeschichte und die Zusammenhänge ihrer Worte kennen. Denn sie baut sich auf einer Grundlage verhältnismäßig weniger Stämme auf, die durch Umbildungen, durch Praefixa und Afsixa, durch Zusammensetzungen und Verbindungen, neue B e g r iffsbezeich n u n g e n ergeben. Die Einsicht in die Prinzipien derSprachb ild nng räumt auch dieHanptschwierigkeit bei der Erlernung einer Sprache hinweg; das stumpfsinnige Auswendiglernen der Vokabeln. ' . Denn wenn ich im Deutschen irgendein Wort gebrauche, z. V. „Besuch", so ist mir, bewußt oder unbewußt, eine lange Reihe „verwandter" Worte gegenwärtige deren jedes, obgleich vom selben Stamm abgeleitet, doch seinen völlig eigenen Begriff bezeichnet, wie „Versuch", Versuchung", „Untersuchung", „Gesuch", „Sucht"" und andere mehr. Gehen wir dann noch auf die Wurzel dieser Bildungen, dew Stamm „sehen" zurück, so können wir unsere Kette unabsehbar verlängern. Wenn wir dagegen im Hebräischen eine Vokabel lernen, z. B. Iwonalt „der Weihrauch", dann dürfen uns die stammverwandten Worte, unc lawait „weiß"- lwanah „der (silberweiße) Mond", halwanon „der (schneebedeckte) Libanon" nicht fehlem Durch diese Art, Vokabeln zu lernen, indem wir vom Stamm ansgehen und uns die B i l d u n gen der Haupt- und Zeitwörter dieses Stammes aufsuchen und uns einprägen, erpichtem und vertiefen wir zugleich unsere Methode. Denn die Wort b i l d u n g führt uns, wie der Name verspricht, zu Bilder n voller Tiefe und 90

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