Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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sondern „Ladenschwengel", deren Hände gepflegt und deren Kleider elegant seien ^selbstverständlich nur im Vergleich zu unseren Händen und unseren Kleidern), und alle seine Leute stimmten ihm zu. Kommt ein Plantagist heran, so begrüßt man ihn mit einer Hand, die schmutzig ist von Mörtel und Lehm, und man streichelt sein Gesicht ganz gehörig. Der flieht, und die übrigen „Bacharisten" bewerten den „Aristokraten" mit Erde. Das „Bachar" wird unser Lieblingskind — das unsere Hände geschaffen und aufs beste verschönern. Und wir sorgen dafür mit mütterlicher Liebe. Wir werden geübt und geschickt in unserer Arbeit. Unser Arbeitgeber verläßt * seinen Aufsichtsposten, den Maßstab übergibt er einem von uns, und nur hin mxb wieder pflegt er nach uns zu schauen. Es gibt sogar schon Kameraden unter uns, die sich in ihrer Arbeit auszeichnen, obwohl sie vorher große Furcht vor dem „Bachar" hatten. Einer von ihnen, ein Mann mit sympathischem Gesicht, arbeitet ohne Mühe und ohne Erschlaffung und steht schon selbstbewußt glücklich lächelnd bei seinem Nachbar, der schweißüberströmt die Bröcklein des „Jndschill", die seine Hacke zerschnitten hat, fortschafft. — Er steht und wartet, bis ihm dieser den Weg sreigibt. So stehen sie alle iit einer Reihe, gebückt, breitbeinig, einen Fuß festgestemmt, um dem Körper Halt zu geben. Man. erhebt die Hacke, die man mit beiden Händen an einem Ende festbält, und schlägt kräftig zu. Die linke Hand gleitet über den ganzen Stiel hin bis zum Eisen, reißt die Spitze durch das Erdreich nach hinten; und wieder beide Hände am Stiel und wieder der starke Schlag auf den Boden und wieder der Ruck nach hinten. Nur die Hände bewegen sich beim Hin- und Herwuchten. Der Körper ist geblickt mrd steht wie festgenagelt. Ein Wettstreit herrscht unter bcu Kameraden, einer jagt dem anderen nach mit großer Eile, in wachem Ehrgeiz und einem Lächeln der reinen Arbeitsfreude. Es ist eine Schande wenn Schwäche oder „Jndschill" oder harter Boden jemanden ausbalten. Alle Ansreden der Welt können dem Schwachen nicht helfen ... Eigentümlich ist der Boden in Erez Israel, und seine Schichtungen find manchmal bei jedem. Schnitt verschieden. Hier' ist ein sandiges Landstück und „hier ist Lehmboden, Lehmboden!" Unser Arbeitgeber betet ihn au und wir verfluchen ihn. ES gibt Lehmboden, den man noch bearbeiten kann, aber bei anderen Teilen nützen weder Hacke noch Beil. Man 'schlägt mit Wucht zu, und es ist, als ob man auf Felsen trifft. .Nur die Schneide dringt in den Lehm und läßt sich nicht wieder heransziehen. Man mrlß mit der Spitze ein Stückchen nach dem arideren abbröckeln, und das erfordert alle Kraft und Geduld. Hände und Füße versagen, und eine Schwäche ergreift den ganzen Körper. Dazu kommt, daß die Arbeiter hinter dir -eine Sandschicht umzugraben haben, und vier Leute stehen bei dir und warten, daß du ihnen den Weg freimachst. Und jetzt bist du fertig. Alles ist bis ins kleinste umgegraben. Der Boden ' ist glatt wie gehobelt. Da springt plötzlich unser Arbeitgeber mit dem Maßstab in der Hand und entdeckt, daß einige Zentimeter in der Tiefe fehlen. Und du mußt das ganze Kapitel von vorn anfangen. Es kommt vor, daß du auf ein „Jndschill"netz triffst. Dgnn mußt du jeden Augenblick die Hacke ans der Hand legen und das Körbchen stillen. Ein Korb und noch ein Korb, bis deine Geduld reißt. 89