Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 4 (2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Eigenart, die Einblick in den VorstellungskreiS und die Denkart unserer Vorfahren, den Schöpfern unserer Sprache, gewähren. Ist es euch schon einmal aufgefallen, daß reekow „der Mutterleib" heißt und raatiamim „das Erbarmen"? LeKulelian „der Tisch" stammt von sedalacK auSstrecken; denn beim Orientalen stellt eine niedrige Platte oder nur eine Matte den Tisch dar. Ueberraschend ist die Entdeckung, daß joroli „der Frühregen" Und mored „der Lehrer" stammverwandt sind. Beide Worte haben den Stamm jarak zum Vater, der „schleudern" bedeutet, und dessen Hiphil sowohl den Sinn vom Niederschieben des Regens annimmt, als auch „auf etwas zielen, Hinweisen" heißt, was zur Bedeutung „lehren" fiihrt. lselr heißt „der Maün" und iselion haajin „der Augapfel", so genannt wegen deS Männchens, das sich im Augapfel wiederspiegelt. Wer diesen Zusammenhang kennt, wird die Vokabel sicherlich so leicht nicht vergessen. Auf solche Zusammenhänge und auf die Entstehungsgeschichte von Ausdrücken und Gleichnissen weist H. Torczyner in einer kleinen Schrift hin, die „Vom Ideengehalt der hebräischen Sprache" betitelt und als eine kurze Broschüre in Wien beim Verlag „Institut für Knlturforschnng" erschienen ist. Darin macht Torczyner, den wohl viele von euch als Uebersetzer Achad HaamS kennen, u. a. auf die Herkunft des Wortes jardvn „dordsn* „Fluß" von jarad „herabsteigen" aufmerksam und erinnert au die griechische Sprache, die in gleicher Weise k>o1amo8 „Fluß" von plptoin „fallen" bildet. Der Aufsatz bietet eure Fülle von Anregungen dieser Art. Der wichtigste Faktor für die Bildungsformen der Sprache ist. das Land des Volkes und seine Umgebung. Umgekehrt gibt demzufolge die Sprache auch am besten Einblick in die Eigentümlichkeiten des Landes und Aufschluß über die Umgebung, den VorstellungskreiS und die Sitten des Volkes. Go weist der Stamm kadam in seinen mannigfachen Formen solche landesüblichen Vorstellungen auf. Das Verbum heißt „vorangehen, znvorkommen, begrüßen"; kedem wird ench in seinen Bedeutungen „die Vorderseite, der Osten, die Vorzeit" Urzeit bekannt sein. Der Begriff „dne kedemwird für die östlich Palästinas wohnenden Völker gebraucht. Erez kedem ist „das Ostland", irr das Abraham kurz vor seinem Tode seine Söhrre schickt. •— Bei Jesaia nimmt kedem ferner den Sinn von „Zauberei" an, <nnd zwar deshalb, weil die erwähnten Begriffe d'.- Sitten des Morgenlandes nahel'egen. Auch kadim heißt „Osten" und entwickelt sich zu der Spezialbedeutung „Ostwind", der nach Palästina bekanntlich aus der Wüste kommt, heiß und sengend ist und als Strafe Gottes gilt. Endlich wird kadim allgemein „Wind" und stellt das Bild der Eitelkeit und Nichtigkeit dar. Aehnlich ergeht es dem Worte rakon „Norden, Nordwind", zakoni bezeichnet Herr mit Ihm einherkommenden'„Heuschreckenschwarm" als den gefürchteten Vernichter der Ernte. Als Gott dem MofeS die Bitte abschlägt, in das gelobte Land ziehen zrr dürfen, ihm nur gestattet» eS vom Berge aus zu schauen, da fordert er ihn am, seine Augen auch jamalr „westwärts, dem Meere zu" zu wenden; denn im Westen . , ■’ ' 91