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Blau-Weiss-Blätter · 1919-02-01 · 4 (2.1919) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
4 (2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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und dabei immer die Angst, ein Strick „Jttdschill" rmbemerkt.mit einzugraben. Und wirklich springt eben der Besitzer mit Schrecken in den Graben und hebt ein Grasstückchen auf, das ich nicht bemerkt habe. Sein Gesicht spricht von Sorge und Verwirrung. Wenn wir nicht so übereilt gearbeitet hätten, wäre uns das Unglück mit dem „Jndschill" nicht passiert. Aber dann würde die Arbeit mit Juden ihm teurer zn stehen kommen als wie mit anderen . . . Und von neuem gingen wir an die Arbeit mit mehr Lust und Erfahrung. Unsere Hände führen die Hacke mit mehr Geschick und Erfolg. Die Wurzeln des „Jndschill" verschwinden selbst aus den dicksten Erdklumpen. Auch in der Ausgeftaltimg der Erdstufen gewannen wir mehr Erfahrung. Und wir bekamen immer mehr Einblick in das Wesen der Arbeit. Zuerst herrschte in einem Punkte Uneinigkeit. Einige sagten, man fasse die Hacke am linken Ende an und führe sie nach rechts, die anderen behaupteten das Gegenteil. AlS Aufseher erscheint unser Arbeitgeber selbst. Er lobt die Leute, die me^r als ihre Pflicht getan hatten und besonders tief gegraben haben, ermuntert sie mit einem guten Witz, schilt und tröstet zugleich, wenn einer weniger auSgehoben hat als nötig war. Die Sonne neigt sich znm Meer. Der Abendwind bringt frisches Leben den Gliedern und den Sinnen. Die Arbeit wird mit Lust und Liebe getan. Das umgegrabcne Stück wird größer und größer, rmd es wird wachsen und wachsen, bis das ganze Feld umgegraben ist. { Der Tag neigt sich. Alles was atmet, scheint sich zu bereiten den Zaubern des Abends entgegen. Die Sonne steht noch ziemlich hoch. — Eine mäßige, weiche Sonne, die den Arbeitenden wohltut — und sieben Arbeitsstunden sind zn Ende. Wie ein schwarzer, schöner Teppich breitet , sich vor uns das umgegrabene Stück Erde aus. Man beginnt die Gräben zu reinigen uub sie an allen Seiten gerade zu richten, die Stufen sauber zu behacken lieber unserer Arbeit liegt ein besonderer Reiz. Auch unser Arbeitgeber feuert uns an, unser Werk zu verschönern. Morgen werden die Bauern kommen, um unser „Bachar" zn besuchen, und sie werden sehen, daß unter jüdischen Händen ein starkes, schönes Werk entsteht, und sie werden sehen und sich schämen. Wir legen unser Arbeitsgerät aus der Hand und gehen. In den umliegenden „Bachars" stehen noch immer die Araber und arbeiten. Wir achten nicht unsere Müdigkeit rmd unseren Hunger, treten zu einem der anderen „Bachar" heran und achten genau auf ihre Arbeit, und wir sehen, daß unser Feld nicht schlechter sein wird als ihres. Viele Tage vergingen. Unser „Bachar" wurde in der ganzen weiteren Umgegend bekannt, und unsere Gruppe nannte mau die „Bacharisten". Wir trugen diesen Beinamen als ein Lob, als die Anerkennung einer Größe. „Ich bin doch ein „Bacharist", pflegte jeder von uns iui Selbstbewußtsein und drohend fast zn sagen. Denn jeder, der einen „Bacharisten" verletzt, verfällt doch der Rache aller. Und jeder, der kein „Bacharist" war, wurde mit Lachen und vernichtendem Spott angesehen. Es entstand ein Krieg zwischen den „Bacharisten" und den Plantagisten. Jeden Tag kamen sie heran, um das „Bachar" zn sehen, wenn sie zu ihren Orangengärten gingen. Und sofort pflegten die „Bacharisten" die Hacken zu verlassen und über diese „Weichlinge" herzufallen. Unser Führer erklärte, das seien keine Arbeiter, 88

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