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Blau-Weiss-Blätter · 1918-11-01 · 3 (11.1918) · page 18

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
3 (11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Bücher Deutsche Dome (La » gewiesche) — W o rr i n g e r Formproblenir der Gotik — Benz Die Grundlagen der deutschen Kunst I. Mittelalter — Die schöne deutsche Stadt (Piper) 3 Bände. ■ , Liebe Gefährten I ES wird mir sehr schwer, hier an dieser Stelle nun noch einmal in Worten zu sagen, was ich damals auf der Berlichinger Sitzung sprach und dachte, aber aus den vielen Anfragen und Allschriften sehe ich, daß die allermeisten immer noch nicht verstanden, mn was es sich damals handelte. Dies sei nun allen zur Antwort. Zch verdiene weder den Vorwurf der Treulosigkeit oder Feigheit von gesetzestreuer Seite noch das Lob des „freisinnigen" Lagers, das mich als eine der ihren begrüßte. Ich möchte Euch z. B. nur erinnern, daß auch ich es war, die an Walter Moses die Frage richtete,, ob orthodoxe Führer weiterführen fofttcu und daß es auch nicht Walter Moses Worte waren, die mich zu dem Bekenntnis der Gemeinschaft hinrissen. Ich fühlte vielmehr plötzlich, Ferdinand Ostertags schöne Worte mögen es noch verstärkt Haben, ganz stark, ganz zwingend, daß wir alle zusamm.engehörtcn, daß hier eine Gemeinschaft junger Menschen wirklich bestünde, trotz der groben Meinungsverschiedenheiten. Ich fühlte weiter, wie jeder offen und ehrlich bemüht war seine Meinung dem anderen zn erklären, ihm zu sagen, warum er s o handeln müsse und nicht anders, und wie er dabei bedacht war, dem anderen nicht wehe zu tun. Und durch alles hindurch spürte ich eitle Angst, die Angst, daß unsere ganze junge, schöne Gemeinschaft an eben diesem Abend scheitern köirnte und erst in dieser Angst fühlte ich,'was mir, was uns allen der Blau-Weiß ist, daß wir heute zeigen müssen, daß wir es auch verdienen die Träger seiner Idee sein zu .dürfen, daß es heute das erste Mal war, wo es galt, seine persönliche Meinung einem großen Etwas unterzuordnen, das wir gemeinhin den Geist unserer Gemeinschaft nennen. DaS dachte ich, fühlte ich und da ich wußte, daß gleich mir viele so dachten und fühlten mrd da keiner es aussprach — da entfuhren mir die Worte, Wenn Ihr mich dafür angreift oder lobt, so verstehe ich das Eine 'so wenig wie das Andere — seid Ihr denn nicht auch Blau-Weiße? — Es handelte sich hierbei ja gar nicht einer Meinung Recht oder Unrecht zu geben, wohlgemerkt einer Meinung, denn Unrecht gegeben habe ich ganz unbewußt dem, der nicht von alldem fühlte oder fühlen wollte — Weiler und seine Genossen, all denen, die 'sich nie einer großen Idee unterwerfen können. Ich meine damit nicht, das was Weiler vertrat, die Sache an sich, (denn der stehe ich glaube ich näher als Weiler und Walter MoseS Ideen liegen mir.mindestens so fern wie ihm) sondern wie er sie vertrat. Sind wir denn ein Verein mit geschriebellen und gesiegelten Paragräphlein. nach denen man Führer einimb absetzen kann und ans dem man, wenn man mit seinen Wünschen nicht durchdringt, einfach auötritt?-Ich will anders um meine Sache kämpfen, innerhalb unserer Gemeinschaft: stärker, wertvoller und friedlicher. Kinder will ich in meinem Geiste zu erziehen suchen und die werden einmal, wenn ich eS richtig verstehe, stark und rein meine Ideen weiter vertreten und sich nicht von anderen Auffassungen so einfach ins. Schlepptau nehmen lassen. Darum verstehe ich auch gar nickt die Angst, die Ihr vor. Walter Moses habt; seid Ihr denn Eurer selbst und Eurer Arbeit so unsicher, daß Ihr wirklich nicht, wie Ferd. Ostertag sagte, eine starke Persönlichkeit in Eurer Mitte ertragen könnt? Mein . 75

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