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Blau-Weiss-Blätter · 1918-11-01 · 3 (11.1918) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
3 (11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Du hast Millionen Gestalten gemacht aus Dir allein, Städte, Dörfer und Stämme, Landweg und Floß. — Alle Angeis sahen Dich vor sich, Wenn Du die Tagessonne über der Erde bist. . . Du bist in meinem Herzen, Kein anderer kennt Dich außer Deinem Sohne Echnaton — — Jeder sieht wohl die Verwandtschaft dieses Sonnenhymnus mit unseren Psalmen! Auch dafür, daß die Spruchweisheit Aegyptens auf Israel eingewirkt hat, könnte ich Euch viele Beispiele bringen. Der Einflnß auf rein kultischem Gebiet zeigt sich u. a. darin, daß wir die Beschneidniig ttoit den Aegyptern übernommen haben. Noch größer aber war der babylonische Kulturcinfluß, der ja bis Aegypten reichte; sind doch Briefe palästinensischer Stadtkönige, die Vasallen des Aegypterkönigs waren, n. a. eines ans Jerusalem, an dem Pharao in babylonischer Sprache und Schrift geschrieben (Keilschrift). Wohlgemerkt> das war lange bevor die Hebräer in Kanaan eingedrnngen waren. Jerusalem war noch eine Kanäerstadt und' ist übrigens erst ganz spät unter David jüdisch geworden. Babel hat teils mittelbar durch die Kanäer, die sich babylonische Kultur angeeignet hatten und im Lande waren als die Hebräer eindrangeu, teils auch unmittelbar auf die Israeliten eingewirtt. Ganz abgesehen davon, daß, wie Ihr ja selbst wißt, die Propheten oft 'genug gegen babylonischen Einfluß, d. i. die Verehrung von Baal und Astartc gewettert haben, können wir auch direkte Verwandtschaften zwischen jüdischen uiib babylonischen Neligionsgesetzen und Erzählungen Nachweisen. Daß die fünf Bücher Moses von ihm selbst sind, glaubt Wohl keiner mehr von Euch. (Neben vielen anderen Gründen wild in ihnen doch von Moses Tod gesprochen!)' Nein, verschiedene Schriftsteller liegen ihrer jetzigen Fassung zu Grunde und die beiden bedeutendsten sind der „Iahvist" und der „Elohist". (Sogenannt, weil der eine diesen Gottcsnamen gebraucht, der andere jenen) Daß mehrere Schriftsteller am Stoff des Pentateuch gearbeitet haben und dieser nachher von einem znsammengefaßt worden ist, erklärt auch die vielen Widersprüche und Wiederholungen. . Ganz deutlich sieht man an dielen Schriftstellern die babylonische Beeinflussung. Die Urväter z. B. sind direkt von den Babyloniern übernommen und ins Hebräische übersetzt worden; (z.B. hebr. Enosch-Mensch war im assyr.-bab. Urtext ameln-Mensch, der bab. Amenon-Werkmeistcr entspricht dem hebr. Kcnau-Schmied nsw.) Die 10 Gebote finden wir schon in der um 1000 Jahre älteren-Gesetzessammlung des babylonischen .Königs Hammurabi, von dem auch das berüchtigte: „Auge um Auge, Zahn nm Zahn" stammt, was seinerzeit übernommen wurde, weil es damals seine Gültigkeit hatte. Der Sinn ist ja ganz klar, vergeblich haben später jüdische Denker einen anderen hineinznverlcgen versucht. Der Satz hat einfach seine Gültigkeit verloren, weil sich die jüdische Ethik höher entwickelt hat. Eine direkte Entlehnung finden wir bei der Sinthflntgeschichte, die ganz ähnlich bei den Babyloniern erzählt worden ist; eö ist das Gilgamesch-EpoS, das im Jahre 2000 v- Ehr. zirka entstanden ist. - Ebenso ist die babylonische Schöpfungsgeschichte nach Israel gewandert. Der Kampf deS Gottes.Machuk mit ThiLrnat der Schlange tritt beim Propheten AmoS zu Tage (9,3), (Natl. auf Jahve übertragen) 69

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