Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 3 (11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Beim nächsten Meilenstein erwartete er uns wieder. Natürlich ohne Püffe ging'S Leim Wiedersehn nicht ab. Doch das schadet nichts - die Hauptsache war, daß wir ihn wieder hatten Nun ging es in gemäßigterem Schritt weiter. Unser Weg führte jetzt von der Chaussee weg, und da es bereits dunkelte und man sich auf der Karte nicht mehr orientieren konnte, fragten wir einen unS begegnenden Bauern, ob er nn« den nächsten Weg nach B. zeigen könne. „Den findt's öS ja do(ch) net! Geht'S lieber nach Hohenschäftlarn, da habt's dö g'rade Straß'nl" Spracht und ließ uns stehen. Wir überlegten nun hin und her: von Hohenschäftlarn ist die Bahnfahrt teurer und wir müssen unbedingt sparen, weil durch das vorhergehende Rudern unser Geldbeutel arg mitgenommen worden ist, — also dann nach Baierbrunn! ' Wir mußten mitten durch einen Wald und schon sahen wir kaum mehr Lie Hand vor Augen. Der Pfad war so schmal, daß wir alle hintereiuarrdergehen mußten, S.'s Hose und Kragen leuchtete voran, wir andern stolperten hinterdrein. In endloser Reihe, unbeweglich, säumten hohe Tannen den Weg, kein Lüftlein wehte, kein Zirpen, kein Rascheln war vernehmbar. Mitten durch den schlafenden Forst ging es, immer tiefer hinein. Auf einmal standen wir vor einem Bretterzaun, dem Rand eines WildjchweingehegeS. Erst nach langem Jrrgehcn ein Uebergang. Drüben ging es zuerst durch Jungholz, dann über gefällte Bamnriesen, bald durch Dickicht, bald durch hochgewölbte Dome. „Jetzt fehlt nur noch, daß hinter dem Baum dort ein Moosweib» lein 'hervorhuscht!" Kaum gesagtals ein — Wildschwein über den Weg sprang. Endlich sahen wir in der Ferne den Wald sich lichten uub ganz, ganz in der Ferne glaubten wir schon die Lichter von B. schimmern zu sehen. Aber bumS —da war die Welt schon wieder mit Brettern vernagelt! Und zwar so hoch, daß man nur mit Mühe hinüberklettern konnte. Drüben ein Dickicht, durch das kein Weg führte. Also mußten wir wohl oder übel entlangstapfen. „Ich sehe ein Licht", sagte S. „Ich auch". „Ich auch". Wie schnell wir jetzt über dem zuvor als Hindernis angesehenen Gehege waren. Wenn auch die Jacke dabei zerriß, das schadete nichts. Die Hauptsache, daß wir.drüber waren. Und jetzt gab es keilt Halten mehr. S. raunte voran und — mit dem Kopf an einen Baum. Da mußten wir nnsern Eifer bezähmen, und eng hintereinander taftetcu wir uns vorsichtig weiter, bis wir glücklich am Waldende angelangt waren. Vor uüs schimmerten schon traulich die Lichter von B. Trotzdem mußten wir zunächst vorsichtig fein. Nachdem wir eine Wiese durchquert hatten, ging es noch über einen Sturzacker, dann durch, eine Dornenhecke und über, eine Unmenge von Gräben. Als ob man uns absichtlich Hindernisse in den Weg gelegt hätte, denn allenthalben stolperten wir über Schutt» und Ziegelhaufen. Nachdem wir noch glücklich alle über die Drahte und Geleise gefallen waren, hatten wir den Bahnhof erreicht. Natürlich war der Zug, dessenwillen wir uns so sehr beeilt hatten, ausgefallen und ll/s Stunden warten — nein, das taten wir nicht: von Höllriegelsgreuth' ist bessere Verbindung. Also brachen wir dorthin auf. Auch hier war gerade ein Zug weggefahren. Aber am jenseitigen Jsarufer verkehrte ja bereüs die Trambahn! Und nochmals nahmen wir die Beine in die Hand. Zuerst schlängelte sich die Straße steil hinab und drüben wieder ebenso empor. Wie wir droben um die 67