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Blau-Weiss-Blätter · 1918-11-01 · 3 (11.1918) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
3 (11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Kameraden her und gräbt um — wirft eine Furche ans und schmeißt eine zu, so -aß das ganze Rodland einen halben Meter tief umgegraben wird. Alle Arbeiter stehen bei ihrem Werk in schräger Reihe, einer vor dem anderen. Es ist unmöglich, daß sich zwei gegenttberstehen nnd gemeinsam graben (nnd ihre Hacken somit zusammenschlagen). Sondern einer steht vor dem anderen und folgt dem Grabenden und läßt ihn nicht säumen. Einer ergänzt so immer die Arbeit des anderen. Das Rodland bekommt das Aussehen von Stufen, von denen eine kürzer als die andere ist. Mächtige, wetteifernde Schläge erklingen auf dem Felde, die Hacken werden hochgehoben und schlagen wuchtig ein, holen aus und „fressen" Erde. Die Schollen werden fortgeschlendert und fallen auf, grün von Gräsern, die noch in ihnen haften. Plötzlich erschreckt uns alle ein fürchterliches Geschrei, wir bleiben starr vor Schrecken - zwischen den anderen Gräsern entdecken wir den „Jndschill"! Der „Jndschill" — dieses Unkraut, das sich kriechend über das Feld aus- Lreitet und Wurzeln schlägt, die einen halben Meter tief werden, hat scharfe weiße Stacheln und rollt sich faserig auf dem Boden der Plantage zusammen, durchwnchert ihn nach allen Richtungen, nnd auch der kleinste Teil, der im Boden bleibt, entwickelt sich wieder. Das ganze „Bachar" geschieht hauptsächlich znm Ausreißen und Zerstören des „Jndschill". Wir, die wir noch nicht Gras von Gras und Wurzel von Wurzel zu unterscheiden vermögen, zerschneiden den „Jndschill" mit unseren Hacken und begraben ihn unter den schweren Erdklumpen. . Das Herz bebt. Die ganze Verantwortung, die auf uns ruht, kommt uns zum Bewußtsein. Auf dem Felde soll ein Baumgarten gepflanzt werden, und wir. zerstören ihn vielleicht, noch bevor er gepflanzt. Die Erfahrenen unter uns gebet: scharf acht, warnen uns vor dem „Jndschill", lehren uns ihn erkennen und behandeln. Aus dem Hebräischen von Jisrail Josseff Berkmaun. (Schluß folgt) M Wilkanski Wn Kofch-haschanah-Grlel»nls Wir standen in der Synagoge, der größten Privatsynagoge Breslaus. Da entsteht plötzlich ein Lärm au der Tiir, uub es kommen 40 russische Kriegsgefangene herein, die für eine Breslauer Fabrik arbeitet:. Während des MussaphgebeteS unterhielt ich mich auch mit ihnen auf dem Hofe; denn ich hielt es für besser. Näheres über die Leute zu erfahren und ihnen, wenn möglich, zu helfen, als zu beten. Sie sind schon 8l s Jahre hier, 3l/i Jahre von allem, was ihnen lieb und teuer ist, getrennt. Ihr Leben, das sie hier führen, ist auch nicht gerade zu beneiden. Aus ganz Rußland waren sie, ans Litauen, Groß-Rußland und Ukraine. Alle sind sie Handwerker, nicht, wie hier die Inden, Kaufleute. Keiner ist orthodox, wie man sonst die Ostjuden kennt. Ihr Jüdisch ist sehr verständlich, die Gewohnheit nach dem langen Leben in Deutschland.1 Einer, der war aus Kiew, mit dem sprach ich besonders viel. Er ist Territorialist, das sind die, die sagen, die Juden brauchen ein Land, welches, ist egal; eS muß nicht Palästina sein. Ich versuchte lhn zu überzellgen, daß das Land nur Palästina seilt kann, uitb er hat mir auch manches zugegeben. Merkwürdige Meinungen haben die auch über das deutsche Volk. Sie halten es für „patriotisch" und sehen nicht, wie dieser „Patriotismus" durch Maschinengewehre hochgehalten wird. Wir Härten sie über alles auf. Dem Kiewer versprach ich Nummern der Jüdischen Rundschau, denn sie dürfen Zeitungen 05

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