Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 3 (11.1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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als Verstärkung der Gemeinsamkeiten, Erhöhung des ZusaulNlengehörigkeitsgesühls, Verdichtung.der Gemeinschaft, Bundesgesinnung. Diese gemeinschaftfördernde Wirkung der Blauweiß-Vlätter allein würde schon genügen, um sie zu einer unserer wichtigsten Angelegenheiten zu machen und sie selbst dann aufrecht zu. erhalten, wenn sie nichts taugten Sie sind uns weiter nicht nur eine bloße Ergänzung unseres Wanderlebens mit gelegentlicher Betonung unserer besonderen jüdischen Note, sondern in hohem Grade ein selbständiges Organ, durch das wir von unserer Art Zeugnis ablegen. Und zwar nicht nur dadurch, das; alles zur Sprache kommt, was uns bewegt, sondern vor allem in dem Sinne, daß wir durch die Auswahl des dargebotenen Stoffes ein Abbild unseres Wesens geben und wiederum gestaltend auf die Gedanken- und Gefühlswelt des Blau-Weiß einwirlen. Es ist deshalb kein Zufall oder ans persönliche Eigenschaften derer zurückznführen, die anfangs und die heute schreiben, wenn Inhalt und Ton der Blauweiß - Blätter ein so ganz anderer geworden ist. Wie der Blau-Weiß sich uns ans einem Verein, dem man augehört, immer mehr zu der Gemeinschaft ausweitet, wie wir den Maßstab des Blauweiß-Mäßigen weit über den Nahmen des im engeren Sinne Jüdischen und zum Wandern gehörigen hinaus, auf immer neue Gebiete und Zusammenhänge ausdehnen, so daß wir zu einer neuen Wertung und Ordnung des Lebens git gelangen suchen, so spiegelt sich diese Weitung des Blauweiß-Gedaukens auch in den Blauweiß-Vlättern. Wie wir uns immer entschiedener von allem in noch so verkappten Formen auftretenden Persönlichkeitskultns und allem überbetonten Individualismus abwenden und unser Interesse sich immer ausschließlicher auf Ueberpersönliches konzentriert,. wie uns alles, was Gemeinschaftssache ist, was dem großen Ganzen nützt oder schadet, weit mehr bewegt als jede noch so bemerkenswerte Allgelegenheit des Einzelnen, so tritt auch etwa in den Fahrtenberichten das, was nur für den Einzelnen von Bedeutung ist, immer mehr hinter den Erlebnissen zurück, die der Gesamtheit etwas sein können. Es fällt heute kaum noch jemandem ein, in den Blauweiß-Blättcrn von Dingen zu sprechen, die nicht alle angehen. Deshalb und weil der Blau-Weiß sich das kühne Ziel gesetzt hat, aus einem jüdischen Wanderbund eine neue Lebensgemeinschaft von Juden zu werden, nimmt heute der literarische und unterweisende Teil der Blauweiß-Blätter gegenüber dem mehr lokal-persönlich berichtenden einen größeren Raum ein. Es gibt kein Gebiet, das au sich aus den Blanweiß-Blattern ausznschließen wäre. Und es gibt wohl kaum einen Lebensbezirk, der nicht unter dem Lichte unserer von einem ftarfeu Gemeinschaftsgeiste getragenen und allenthalben nach Erneuerung drängenden Idee ein anderes Aussehen annähme. Wir gehen aber noch weiter: Im Grunde genommen ist die Materie, von der eine Erzählung, ein Aufsatz, ein Bericht handelt, nicht das Wesentliche für die Entscheidung über die Aufnahme dieser Erzählung oder jenes Berichtes. Wesentlich und entscheidend ist der Geist, in dem etwas geschrieben ist. Wie die kleinste Bleistiftskizze etwa Liebermanns, geisterfüllter ist und deshalb unvergleichlich kunsterzieherischer wirkt als die größte in Oel gemalte Haupt- und Staatsaktion etwa Anton v. Werners oder wie in dem lumpigsten Bettler Rembrandts unendlich mehr Größe als in dem Hohenpriester auf Kaulbachs „Zerstörung Jerusalems" steckt, weil der Mensch und Künstler, der den Bettler malte, unendlich größer war als der, welcher die „Zerstömng Jerusalems" fabrizierte, so muß unser Augenmerk nicht in erster Linie auf das Stoffliche, sondern auf den Geist, der es durchdringt, gerichtet sein. Daß wir 61