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Blau-Weiss-Blätter · 1918-11-01 · 3 (11.1918) · page 3

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
3 (11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und den Führer, der es noch fertig brächte. Und so finden wir noch eine' Menge nnS heute komisch anmntender Einzelheiten, an denen wir eine teils reine, teils sehr getrübte Freude haben. Zn den reinen Freuden gehört folgender Abschnitt aus einem Berliner Fahrtenbericht: „Jetzt forderte unser Führer Glaser einige von den jüngeren Wanderern auf, das hernmliegende Papier aufznlesen. Zu ihnen zählte auch der kleine W. Er suchte sich jedoch zu drücken. Es sollte ihm hierfür die gerechte Strafe zuteil werden. Zwei faßten tfjit an je eine Hand, zwei an je ein Bein. Herr Glaser zählte 1 (W. flehte), Herr Glaser zählte 2 (W. weinte), Herr Glaser zählte & (W. brüllte). Ein Schwung, ein Schrei, W. stürzte unfreiwillig den Berg herab, machte einen wunderbaren Kopfstnrz, eine komische Verbeugung und trottete nach unten." — Doch schon im Septemberheft 1913 taucht der erste noch heute lesbare Fahrtenbericht auf, der von der großen süddeutschen Fahrt der Berliner handelt und von Glaser stammt. Allmählich ändert sich der ganze Ton der Blauweiß - Blätter; der Krieg wirft seine dunklen Schatten; iu einigen Nachrufen auf gefallene Blau-Weiße werden endlich einmal ganz reine Töne angeschlagen und über verschiedenes Experimentieren . kommt man in das jetzige Fahrwasser, ltub wenn auch niemand behaupten wird, daß die Blauweiß-Blätter Muster der Vollkommenheit seien, so wissen wir uns doch im Allgemeinen wenigstens frei von jener unwahren gewollten „Natürlichkeit", von dem großsprecherischen Kraftprotzentum und so manchen anderen Lächerlichkeiten der Anfangszeit. Daß wir von diesen heute ohne Scheu sprechen können, macht uns froh. Wir sind uns heute über Sinn und Bedeutung der Blanweiß-Blätter klarer als mau es sich in der Anfangszeit sein konnte. Die Blanweiß-Blätter sollen uns weder ein Abbild aller noch so belanglosen Vorgänge innerhalb der einzelnen Bünde sein, noch wollen wir sie als Boden für Stilübungen höherer Töchter, auch nicht als Erziehungsorgan zu guter literarischer oder zünftiger Ausdrncksweise, fouberit vor allem als einigendes Band. Wie uns die Bundestage, die blanweiße Stadel und das brüderliche Du B u n d e s z e i ch e n sind, so auch die Blanweiß-Blätter. Sie sollen in erster Linie dazu beitragen, die Einheit des Gesamtbundes zu stärken und zu vertiefen und einer Entfremdung der einzelnen Bünde vorzubeugen. Der einzelne Bund darf nie vergessen. daß er nur ein Teil des großen Ganzen und schwach und bedeutungslos ohne den Gesamtbund ist, so wertvolle Arbeit er auch im Einzelnen leisten mag. Die Blanweiß-Blätter dienert dieser notwendigen Stärkung des Gemeinschaftsbewnßtseins eirtmal dadurch, daß sie das Organ der gemeinsamen Bundeslcitnng sind, daß sie von den wesentlichen Vorgängen in den einzelnen Büttden berichten uitb daß sie von den wichtigsten persönlicherr Angelegenheiten der Blau-Weißen Kenntnis geben. In viel wesentlicherem Maße erfülle« sie ihre Aufgabe aber dadurch, daß sie ein gemeinsames Erleben schaffen. Jede Erzählung, jeder Fahrtenbericht, jede Unterweisung wird zu einem allen Blau- Weißen gemeinsamen Eindruck, jeder Gedanke, der hier ausgesprochen ist, wird in a l l e n Bünden durchgedächt, zu jeder Anregnrtg, die hier gegeben ist, wird jeder Bund Stellung nehmen:es wirdeine gemeinsame Plattform geschaffen, deren Bedeutung für das Wachstum und die Stoßkraft unserer Idee gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Denn nichts, ist für uns wichtiger 60

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