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Blau-Weiss-Blätter · 1918-11-01 · 3 (11.1918) · page 2

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
3 (11.1918)
Date
1918-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mau-Weiß-MStter Jovember K9X8 Jahrgang 6 %ft 3 Klauivciß-Ktatter Vor mir liegt ein starker Band: Blauweiß-Blätter 1913-17, also beginnend mit dem erstell Heft unserer Zeitschrift, April 1913, das der Berliner Bund heraüsgab. Eine etwas absonderliche Lektüre, die man mit sehr geteilten Gefühlen in sich aufnimmt. Zuerst übcrwiegt — rund heransgesagt — der Eindruck des Komischen. Welln Komik im wesentlichen darauf beruht, daß einem der Abstand zwischen erstrebtem Ideal und tatsächlich erreichter Wirklichkeit bewußt wird, so bieten die ersten Nummern der Blanweiß-Blätter geradezu Mustergültiges an Komik. Vor allem gilt dies von der gewollten Natürlichkeit. Statt einfach so zu schreiben, wie einem der Schnabel gewachst!: ist, was von je das Natürlichste war, quält man sich damit herum, besonders natürlich — ungezwungen zu sein. Die Folge davon ist, daß fast aus jeder Wendullg die Absicht der „Natürlichkeit" holdselig entgegenlächelt und eine geradezu ullerträgliche Sammlung zllckersüßer Niedlichkeiten produziert wird. Einen anderen ebenso komischen Eindruck macht die großsprecherisch-kraftprotzende Männlichkeit, die man nicht wenig stolz zur Schau trägt und die sich zn wirklicher männlicher Tatkraft mcift wie Karikatur zum Urbild zn verhalten pflegt. Dian liebt starke Worte imb spricht große Gedanken gelassen aus. Es werden Idealbilder vom ed)tcu Führer und Wanderer entworfen, die eine derartige Fülle aller cMcu Tugenden anfweisen, daß man in dem Gedanken verzweifeln könnte, ob es je einen solchen Tugendausbund geben wird. ' Die „stimmungsvollen Sonnenuntergänge" spielen eine bedenklich große Rolle, bedenklich deshalb, weil man den Eindruck nicht los wird, daß der Schreiber oder die Schreiberin die „Stimmung" gesucht hat, um von ihr zählen zu können. Zum mindesten spiegelt man sich höchst wohlgefällig in ihr, wie es überhaupt zn den Hauptmerkmalen der meisten Fahrtenberichte jener Zeit gehört, daß sie Zeugnisse einer ebenso üblen wie lächerlichen Selbstbespiegelung sind. Man kommt sich furchtbar wichtig vor, man ist glücklich, ein „Erlebnis" gehabt zn haben und wenn es noch so nichtssagend ist. Statt irgendwelcher, wenn auch noch so primitiven Freude am künstlerischen Gestalten gewonnener Eindrücke, werden mit wichtigtuerischer Gespreiztheit sämtliche Einzelheiten einer Fahrt aufgezählt, wobei man fast nie versäumt, sich selbst in das rechte Licht zu setzen, und wobei man in dem Leser das Gefühl zu erwecken versucht, wieviel reicher an Erlebtem und Geschautem man sei als er. Man scheut sogar vor „gedichteten" Fahrtenberichten nicht zurück. Komisch wirkt auch der begönnernde Ton der Führer gegenüber den Wanderern — ich möchte mal heute den Wanderer sehen, der sich das noch bieten ließe m

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