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Blau-Weiss-Blätter · 1918-04-01 · 6 (4.1918) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
6 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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verstärkt worden. Auch wir Mädchen haben einen Berliner Gast. Zwar können wir Alice Lehmann kaum mehr so nennen, denn wir haben uns schon daran ge» wöhnt, sie ganz als „kramburgerin" zu betrachten, müssen sie aber doch leider sehr bald wieder ziehen lassen. Und nun zu unserem „Ereignis", der Purim-Feier. Auf meine Frage, wer darüber berichten wollte, wurde mir erklärt, sie sei zu schon gewesen, um beschrieben werden zu können. Also bin ich leider selbst gezwungen, ein schlechtes Bild von der schönen Feier zu geben, denn erfahren müßt Ihr doch davon. — Wir haben Schattenbilder aus der Purim-Geschichte gestellt. Da unser heim zu klein war» hat eine liebenswürdige Blau-weiß.Mutter nicht nur ihre Wohnung zur Verfügung, gestellt, sondern auch alle Unerquicklichkeiten mit einem freundlichen Lächeln abgetan, sogar einen fürchterlichen Dolchriß in ein tadelloses Bettuch. (Aber das kommt noch.) Schon die Proben waren eine besondere Freude. Auf der ersten Probe waren die „Akteure" zwar entsetzlich ungeschickt und konnten anscheinend nur lachen, und die verantwortlichen „Regisseure" standen mit sorgenvollen Gesichtern jenseits der Leinwand, stöhnten und sahen schon die ganze Aufführung ins Wasser fallen. Aber auf den folgenden Proben entfaltete sich das Talent unserer Schatten- Schauspieler glanzend! Mit welchem Eifer geprobt wurde, könnt Ihr auch schon daraus sehen, daß der Dolch des verschwörerischen Dieners anstatt in die Luft, mit kühnem Schwünge in die kostbare Leinwand fuhr. (Lin tadelloses Bettuch aus Friedenszeiten!) Zerbrochene Glühbirnen oder Weinglas-Scherben zeugten meist von der Arbeit auf den Proben. Und schließlich kam der große Tag. Ganz war das Herzklopfen noch nicht gewichen. Die Feier war nicht nur für uns Blau-Weiße bestimmt, sondern wir hatten auch eine große Anzahl Jungen und Mädels eingeladen, die wir heranzuziehen wünschen, und fast alle Eingeladenen waren erschienen.. Der große Moment war da. Die Spannung stieg allgemein, bei den Jungen wahrscheinlich mit skeptischem Beigeschmack, der aber gleich schwand. Unsere Schauspieler- Schatten überlrasen sich selbst. Die Verse, die unser Führer Arthur Joel uns geschrieben hatte, zündeten, während des Spiels hielt man noch an sich, aber Ln den Pausen zwischen den einzelnen Bildern gabs einen Jubel, unheimlich. Als man hörte: Ein Galgen ist dies. Die Eingangspforte Für's Paradies Und ähnliche Grte zerbrach man sich natürlich gleich den Kopf, wie der Galgen gemacht sein könnte- und kriegte es ebenso natürlich nicht heraus. Der Jubel stieg eigentlich nach jedem Bilde, hinter der Bühne soll's auch ganz merkwürdig hergegangen fein. Ich selbst weiß zwar nur wie's vorn im Saal war, aber man hat mir Dinge erzählt von ganz sonderbarer Artl Die Stimmung vorn hat in den Pausen die Schauspieler mitgerissen. Der König hat seine unnachahmliche Zurückhaltung und Würde völlig verloren, ist ganz unköniglich hinten herümgesprungen und hat sich schmunzelnd die Hände gerieben. Und sogar Mordochai hat „gegrinst!" Auch hamans Gebühren war angesichts seines nahen Todes recht metkwürdig. von der Königin, den Jungfrauen und dem niederen Schauspieler-Personal schweige ich 242

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