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Blau-Weiss-Blätter · 1918-04-01 · 6 (4.1918) · page 27

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
6 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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was bei anderen erwachenden Nationen vor sich geht; lest, was noch bei einem Volk wie den Nüssen, von denen man annehmen sollte, daß sie es weniger notig haben als wir, unter dem Ansturm westeuropäischer Kultur über russisches Wesen und russische Möglichkeiten zusammengeschrieben wurde. Unser Volk aufs neue zn gründen, müssen wir eS kennen, daß uns nichts Jüdisches fremd sei. Vom Genius des Propheten bis zum jüdischen Lump aller Zeiten (keine Verschleierungen: auch er gehört zn uns, wir bekennen unS zu ihm) wollen wir alles mit gleicher Liebe umfassen. Es ist ja die inuner wieder neue Aufgabe jeder wahrhaft lebendigen Generation, die Geschichte ihres Volkes aufs neue zu sehen, nichts zu übernehmen, was andere mit anderem Lebensgefühl sich aus Daten und Materialien als Bild formten. lind in wie unvergleichlich stärkerem Grade trifft dies auf uns zu. deren Urgeschichte noch am bestell von christlichen Forschern dargestellt wurde: als Vorstufe des Christentums, zu feinem höheren Ruhm. Wieviel mehr auf uns, deren Häliden die jüdische Wissenschaft, die Wissenschaft ihres Volkes heute fast völlig entglitten ist, weil in dieser heutigen Judenheit das Echo fehlt und der Resonanzboden. deren noch die reinste Wissenschaft nun einmal bedarf. Es werde bei uns zuviel geredet itub geschrieben? Zu wenig, sage ich Euch. Begreift derur niemand, daß wir mit llnserm Suchen und Grübeln, mit unserer leidenschaftlichen Anteilnahme an allen jüdischen Dingen die Humusschicht abgeben, auf der allein durch die Tatsache unserer Existenz die jüdische Wissenschaft vom Judentum aufs neue entstehen wird, und daß auch dies eine Tat ist, deren wir nicht zum mindesten bedürfen? Achtet diese geistige Arbeit, die hier geleistet wird, nicht gering, denn sie errichtet die geistige Welt, die errichtet werden muß, wenn der rasche Strom Eurer Tat nicht versanden, wenn nicht all E«re Gründungen, Pläne und Ptänchen nutzlos sein und in die allgemeinen Strömungen der Umwelt untertauchen sollen, ans denen sie zum Teil entstanden sind. Bedellkt, daß llnser Tun und unser Denken aus derselben Wurzel kommen und daß das eine unfruchtbar ist ohne das andere. Manche von uns sieben erstaunt, weil ihnen so schwierig und unübersichtlich erscheint, was beiin ersten Bekenntnis so klar und gradlinig war. Es ist auch heute noch so klar und gradlinig; es ist die grade Linie der Entwicklung, die sehr klar dahin geführt hat, wo wir heilte halten. Und die allders empstllden, sind stehen geblieben, verweilen noch immer beim ersten Bekenntnis und fanden nicht die Kraft, mitznleben lmd mitzudenken, haben mit dem einen Mal ihre ganze innere Glut erschöpft und ermangeln des Schwungs, der von Etappe zu Etappe weiterführt." Die K. C.»Blätter Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen Deutscher Studenten jüdischen Glaubens bringen in ihrem Januar- Februarheft 1918 (20. Heft) eine Notiz, die sich gegen den Blau-Weiß richtet. Wir bringen den Schluß derselben, der für uns von einigem Interesse ist, an dieser Stelle zum Abdruck : »Die Notwendigkeit einer Gegenbewegung, welche ofoxt ausgeprägten Parteistandpunkt die jüdischell Schüler und Schülerinnen auf ganz allgemeiner jüdischer Grundlage zum Wandern sammeln will, ist längst erkannt worden. Bisher ist es gelungen, zwei Vereinigungen (in Posen und Breslau) zu gründen, die in diesem Sinne arbeiten. ES ist aber zu hoffen^ daß nach dem Kriege in diesem Bestreben fortgefahren wird. An einigen anderen Orten bestehen bereits kleinere Gruppe», die ausgebaut und vermehrt werden müssen, damit die schönen Ziele eines fröhlichen 25*

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