Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 6 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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£ „Der Drang zur Tat . . . Was galt es zu tmtV Im Vordergründe stand' natürlich die praktische Palästinaarbeit. Aber auch sie ist doch nur Mittel, das' herbeizusühren, waS nns allen am meisten am Herzen liegt: die Erneuerung des jüdischen Menschen und seine innere Ilmgestaltung. Die war gleich und hier ins Werk zn setzen, als VorbereitnngSarbeit und als Selbstzweck Das Bild dieses neuen Typs trägt jeder von mrs irgendwie in sich, und e8 ist nicht zum wenigsten bestimmt durch bcii heiligen Zorn ans diese ganze kraftlose, verwässerte, selbstsüchtige und sich duckende Jndenheit ringsum, mit ihrem Nationalismus und Aesthetizismus, mit ihrer Ucdcrliebc gegen den Nächststchenden und ihrer empörenden Gleichgiltigkeit gegen die Gesamtheit. Ans diesem Milien galt es, die jungen und noch bildungsfähigen Menschen zu reiben, ehe sie Beruf und Alltag zermürbt; ehe die Kraft versagt und die Glut erkaltet; solange sie noch fähig sind, ein Ja 311 sagen, ohne ein Aber daranztthängen. Ans ihnen galt es, durch die Kraft der Idee und einen neuen Freundeskreis Menschen zn machen, die ans dem Bewusstsein ihres Judentums die Verantwortung gegen ihre Gemeinschaft herlciten, die bei aller Geistigkeit grade, aufrecht und voll körperlicher Frische sind, mit Liebe zur Natur und der Fähigkeit des Schönens Und die bei alledem nicht einen Augenblick ins antisemitische Lager Hinüberzwittkern, zu zeigen, das; wir das auch können. Ein Tyv, der antochthon aus dem Drang nach Erneuerung des Judentums erwächst und auf Anerkcnnnttg wie Gegnerschaft pfeift. Aus solcher Stimmung entstand unser Kartell. Ans solcher Stimmung stiegen nach und neben uns in immer steigernder Bedeutung die Bünde der jüdischen Turner, Ruderer und vor allem Wanderer auf. Es ist hier kein Raum, noch all die Fülle der Gruppen und Griippchen aufzufnhren, die alle zu unserer Jugendbewegung gehöreir und die alle das eine Ziel der Vorbereitung auf Palästina durch Heranbildung eines neuen jüdischen Geschlechts im Auge haben. Und wie das Bekenntnis zum Nationalismus sofort zur Tat führte, so mussteaus ihm auch sofort die Frage nach seinen Inhalten entstehen. Worauf war denn all dieses Tun gegründet'- Doch nur ans die Stimme des Blutes, die die Besonderheit eurer Wesensart und damit alle Qual und Wonne des Judescins kündete. Und wenn dies wirkich eine autochthone Bewegung lvar, wenn sic sich von jeder anderen jüdischen Jngendbewegnug, die anberlich im gleichen Sinne arbeitete, dadurch unterschied, das; sie aus sich selbst, ans ihrer jüdischen Empfindung dazu getrieben wurde und nicht von außen her, nicht durch die Meinung anderer — batitt hieb es auch, die Frage nach sich selbst stellen und von der Stärke des Gefühls Getragenes in die Klarheit des Bcwubtseins heben. So wenig wie bei bloßer Gesinnung ohne Tat ließ sich bei verschwommenen Gefühlen ver weilen ohne den Drang, ans Vergangenheit und Gegenwart unseres Volkes die Gestalt des Juden heranSzttarbeiten. seinem Genius wieder nahe zu sein und hierdurch erst das währ- Haft entscheidende Erlebnis zn gewinnen. Es galt, aüS Verdächtigungen, Vcr-' schleiernttgen, Apologetik nub Fälschung das Bild zu holen utib fest zu umreißen, das uns zeigt, wer wir sind und woher wir kommen. Und nun kann es wohl nicht anders sei», als daß da viel'Grübeln über die eigene Art ist, und das; viel Schiefes, viel ttebertreibnng und viel Phantastisches zn Tage gefördert wird. Zugegeben ferner, daß ans Reaktion gegen die bisherige Vertuschung auch an falscher Stelle der Jude gesucht und ßcfnubcii wurde. Was schadet das? Seht um Euch, 253.