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Blau-Weiss-Blätter · 1918-04-01 · 6 (4.1918) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
6 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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immer ein Kreis Häuser mit einem Streife Aecker oder Gärten wechselt. Solche Dörfer haben meist nur einen Ansgang, der sich in unruhigen Zeiten leicht ver-. rammeln lieh. Manchmal schieben sich in Hansen- oder Straßendörfer kleine blockartige Ländereien ein, die wir als „Weiler" bezeichnen. Weiler wurden stets an Abhängen eines Gebirges angelegt, weil das fruchtbare Unterland bereits von anderen Dörfern besetzt war und der Mangel an bebauungssähigem Lande zu starker PlatzanSnntzung zwang. UcbrigenS bilden solche Weiler durchaus kein streng abgeschlossenes Ganze; sehr oft gehen sie oh,re weiteres in eine der vorher erwähnten Dorfformen über. Hoffentlich genügen diese Ausführungen, um es Euch möglich zu machen, die. Dorstypen, die Ihr auf Euren Wanderungen findet, zn unterscheiden. Schön wäre es, wenn jetzt jemand in Ergänzung des behandelten Themas über dörfliche Bauarten schreiben würde. Frankfurt a/M. Ernst Mantheim Die Fahrten am Sonntag fielen aus. Ein langweiliger Tag lag vor mir. Da kam mir ein guter Gedanke: Du gehst mal wieder durch Alt-Berlin. Wer kennt Alt-Berlind Vom Krögel hat der oder jener etwas gehört Mancher hat sich zwischen Alexanderplatz und Schlesischem Bahnhof ans Fenster des StadtbahnwagenS gestellt und mit freudigem Erstaunen das bunte Bild betrachtet, das sich ihm bot. Den grauen, mattglänzenden, belebten Flns; mit den vielen schier holländischen Grachten, den bewegten Stapelplätzen und den niedrigen, roten Ziegelbauten am Ufer, dahinter die enggedrängte, gar nicht „berlinische" Stadt, deren spitze, zierliche Türme im zarten Nebel, der sich fast immer über sie breitet, zerfließen. An all dem reißt einen die Stadtbahn vorbei, an den breiten Brücken, die altersgrau sind und von Menschen wimmeln, vörbei an hochbeladeneu Wagen mit tobenden Fuhrleuten, deren Schimpfreden undeutlich heransklingen, an den weißen, flinken Dampfern mit den roten und blauen Ringen am Schornstein , und vergoldetem Bug und schließlich auch an der Menschenflnt der Bahnhöfe, wo sich tausendmaltausend Schicksale nebenander und aneinander drängen, ohne daß eines vom andern weiß, — lauter Rätsel mit verschiedenen Gesichtern und in mannigsaltigen Röcken Hinter diesem Strom flüchtiger Eindrücke, die eine solche Fahrt vermittelt, lockt das Rätsel „Berlin", nicht jenes Berlin dcS Westens, das Spekulanten und bcrccf)ucubcit Architekten sein Dasein verdankt, sondern das alte, langsant gewordene. Ja, cs gibt auch heute noch in Berlin Hänjer mit wuchtigen Mauern und schmiedeeisernem Türschmnck, Häuser, deren Fassaden die schwere Pracht des Barock, die tänzelnde Zierlichkeit des Rokoko, die ein wenig gemachte Einfachheit des Empire zeigen. Auch heut noch drohen auf ihren Dächern Waffenbündel und Figuren, wie einst, da Schlüter Hofbaltmeister des .Königs tu Preußen war, wie zu Friedrichs. Zeiten lächelnPrutenköpfe über gnirlandengeschmückten Fensterrahmen und die Viktoria steht über der edlenSäulenfront des BrandenbltrgerTorS wie damals, da das Pflaster der „Linden" vom Paradeschritt der „Alten Garde" schlitterte. Es gibt viel zn sehen im alten Berlin, man muß sich nnr die Mühe geben eS zn Achen. Ich überlegte nicht lange. Am Königlichen Schloß vorbei, dessen 225

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