Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 6 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2425321-3181713-3181719--0984-3182780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ältester Teil von allen große»: Geschehnissen Berlins zu erzählen weiß, wende ich mich zn den Marstallbanten des Großen Kurfürste»,. Aber auch dort verweile ich nicht lange; mich vertreiben die scheußlichen Figuren, die irgendwelche Szenen aus der griechische», Mythologie erzähle»,. Da gefällt mir das alte Adelshaus weiter unten mit seinen, reich verzierten Rnndbogenportal im Stile der Spätrenaissanee und seinen schönen Giebelbanteu hoch weit besser. Auf den, Wege dorthin hatte ich das Der,krnal des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke betrachtet; nach meinem Gefühl das stolzeste und schönste in Berlin. Der Mann, der auf den, gewaltigen Rosse in Tracht und Haltung der römischen Imperatoren sitzt, ist »virklich ein Imperator; selbst die Pose hat nichts gemachtes und »vir glauben den geketteten Sklaven zu seine», Füßen A»,gft,md Demut.— Aber der Strom der Menschen schiebt mich weiter. An der Breiten- Ecke Gertraudtenstraße stand einst das alte Köllnische Rathaus; jetzt haben ste ein Ge» schäftshaus dafür hingesteltt. — Die Petristraße dagegen steht ganz aus wie ein Bild aus einer alten Stadt. Fast überall stehe», noch Giebelbaute»,, hier und da - vern»»staltet durch Ansbesserung ,,»,d Anbau, hier u»,d da mit häßlichen Firmenschildern bedeckt. Alles in alle»n aber bleibt der Eindruck bestehen und die Neugier wird rege, wie es hinter diesen altersgrauen Fassaden aussehen »nächte. Durch eine Mer,ge von Kisten und Ballen bahne ich rr,ir den Weg nachdem Hof. Eng und schmutzig liegt er da. Ein Geruch vor, Moder und morschem Holz füllt ihn ganz ans. Efeu rankt wild an den Mauern empor; kaurn läßt das dichte Gelvirr der Blätter die Frühlingtzsonrre in die trüben Fensterscheibe», fallen. Moos, grün, brau»,, in tausend Schattier»,»,gen deckt das holperige Pflaster. Unwillkürlich glaubt »nan sich in eines der alten Patrizierhäuser der Hansestädte versetzt. So oder ähnlich fand ich die Höfe von Rr. 13 und Nr. 33; Nr. 15 »veist sogar eine ringsum laufende Holzgalerie rnit reicher Verzierung auf. — , . Weiter geht's an allerlei Straßen vorbei bis Ecke Poststraße und Mnhlendamm; da erhebt sich der Palast des reichen Juden Ephraim, des Finanzmanns Friedrichs des Große»,, der die schlechten Taler prägte, so daß die Buben auf der Straße sangen: „Außen Silber — innen Zinn Außen Friedrich — innen Ephraim". Sie taten dein Juden nicht ganz u»,recht, wenn sie ihn haßten, das Geld war wirklich nichts wert; aber schließlich hatte der Kö»,ig befohlen und der Mnnzpächter gehorcht. — Daß ihm freilich die Münze etwas einbrachte, zeigt sein Haus, das ein wahrer Palast ist. Rokokogitterwerk schmückt Balkons und Treppen; hier und da leuchtet es in mattem Glanz; einst blitzte die herrliche Schmiedearbeit ganz in kostbarer Vergoldung. Gern hätte ich das Innere des Hauses genau betrachtet; leider war es schon zu spät. Ich eilte zum Molkenmarkt und lief fast am Hause Rr. 3 vorbei, das, »vie ich wußte, und wie ein „8" über dem verwitterten Wappen zeigt, das alte Schweriner Palais istz Leider hat man die schöne Fassade von oben bis unten mit Firmenschildern bepflastert; kaum gewahrt man die Kindergruppen Wer den Fenstern, die Verkörperungen der Jahreszeiten sein sollen. — Meine Bahn kam noch nicht gleich. Also noch schnell einen Blick in den 22s