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Blau-Weiss-Blätter · 1918-02-01 · 5 (2.1918) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
5 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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du Verlorener. Denn Schalem stellt seine Forderung mit derselben Unbedingtheit auf, die er von der Hingabe der anderen verlangt. Cr verkündet ein Dogma mit aller Unduldsamkeit, die Dogmatikern eignet: „Verbrenne, was dn angebetet bast". Dast cs eine Entwicklung voller Kämpfe, voller Leiden, aber auch voller Glück gibt, daß Jugendbewegung eben Entwicklung nnd Erziehung bedeutet, kann Scholem nicht cinsehcn. Er verlangt nur Gehorsam und weiß kaum, daß Gehorsam sehr billig und sicherlich nicht geeignet ist, e-le Frucht reifen zu lassen. Scholem ist eben seiner ganzen Richtung nach uükünstlerisch und nnfreudig; der Schlüssel zu seinem Wesen liegt in dem Satze, den einer seiner Artikel enthält: „Alles, was man nicht erarbeitet, ist Flitter". Wir sind nicht so rationalistisch, das zn glauben; wir meinen, daß es noch manches zwischen Himmel nnd Erde gibt, was dem Gefühl, der Phantasie, was den Sinnen entstammt, nnd sehen auch darin kostbarstes Menschheitsgut. Alles was Scholem sagt, cutfpriugt der Angst vor der Assinlilation, ist antiassimilatorisch. also letzten Endes negativ. Er will nur eittwirren, tlichts Neues dringen. Wir aber meinen — wenn nur der Wille jüdisch, wenn nur die Gesinnung echt nnd ehrlich ist — menschliche Werte schaffen ztt können, die auch jüdische Werte sind. Wir glauben an die jüdische Seele, die stark genug ist, sich die Dinge, anstatt sich den Dingen anzupassen. Daraus leiten wir auch das Recht her, Propaganda zn treiben, das Gerhard Scholem uns bestreitet. Wir glauben es unserer Gemeinschaft, unserem Volke schuldig, zu sein, jeden, der reinen Herzens zu uns kommt, in unseren Kreis zu ziehen. (Hist unverantwortlich hochmütig, nur von einer kleinen Schar Erwählter etwas erwarten zu wollen; es ist grausam, Menschen voll jüdischer Sehnsucht verschmachtclt zu lassen, um einem Dogma zu gehorchen. Gerhard Scholem wird uns nicht hindern können zn wandern - mag er es uns auch verübeln — uits alles Schönen und Wertvollen ringsum zu freiten — mag er auch scheel dazu blicken — und uns dennoch als gute Juden zu fül)lcu und danach zu handeln. Den Austritt seiner Anhänger bedauern wir. Wer sich dem Blau-Weiß jedoch nicht mehr verbunden fühlt, mag gehen, ehe er unsere Gemeinschaft stört; wer an verantwortungsvolle Stelle gesetzt den Blau-Weiß schädigt, wer als Führer dem Blau-Weiß fremd oder fctub den ihm anvertrauten Zug zerstört, der muß sogar gehen. Im übrigen sind wir Jugendbewegung genug, um nicht auch abweichende Meinungen vertragen zu können. — Der zweite Konflikt von Bedeutung entstand in Straßburg, wo sich der Oberführer Robert Gidion gezwungen sah, sein Amt niederzulegcn und aus dem Bunde ausznscheiden. Mit ihm gingell eine Anzahl Hilfsführer imb Wanderer, sodaß jetzt in Straßburg zwei Wanderbünde, der „Blau-Weiß" nnd der Jüdische Wanderbund „BneiZion" bestehen, die beide sich mindestens dem Geiste nach dem „Blau-Weiß" zugehörig fühlen. ES handelt sich da um Streitigkeiten von grundsätzlicher Bedeutung, die sich bis heute nicht beilegen ließen. Die Bundesleitung hat insofern ringegriffen, als sie beiderseits Verzicht auf jede Art von Bekämpfung der anderen Partei verlangt hat. Versprechungen in dieser Hinsicht sind uns zugegangen. Sobald die Angelegenheit endgültig geregelt ist, wird euch genauer Bericht zugehen. All diese Vorkommnisse beweisen, wie wichtig es für die BnndeSleitung ist, mit den einzelnen Ortsgruppen engere Fühlung nehmen zu können als bisher. *99

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